Hamburger Abendblatt

Archiv für das Tag 'The Music Never Stopped'

Fusselbart

6. Oktober 2011

Sich mehrere Filme hintereinander anzuschauen, schärft den Blick ungemein. Liebevolle Details werden noch mehr goutiert, Ungereimtheiten fallen aber leider auch stärker ins Auge.

Eine cineastisch veranlagte Freundin, die das Filmfest Hamburg mit einer Zehnerkarte besucht, hatte nach dem Film „The Music Never Stopped“ im Abaton am Mittwoch nur einen Kommentar auf den Lippen: „Dieser Bart! Der hat mich echt gestört!“ Was war geschehen?

Regisseur Jim Kohlberg erzählt  von Gabriel, der Mitte der  80er-Jahre an einem Hirntumor operiert wird und danach jegliche Erinnerung verloren zu haben scheint. Erst die Musik aus seiner Hippie-Zeit – Bob Dylan, The Beatles, The Rolling Stones und vor allem The Greatful Dead – bringen ihm langsam die Vergangenheit zurück. Ausgerechnet jene Songs und Verse, die in den 60er-Jahren dazu geführt haben, dass Gabriels Vater und er sich  zusehends voneinander entfremdeten.

„The Music Never Stopped“ ist eine bewegende Familiengeschichte und vor allem eine Hommage an die heilsame Kraft der Musik. Wenn da nicht dieser Bart wäre! Wenn Schauspieler in ein und demselben Film eine große Altersspanne darstellen müssen, ist ein Bart stets ein probates Mittel, um einen Mann älter wirken zu lassen. Aber ein bisschen weniger fusselig und aufgeklebt hätte das gute Stück schon aussehen dürfen. Dann klappt’s auch mit dem kritischen Cineasten-Blick. (bir)