Hamburger Abendblatt

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Hinter verschlossenen Türen

7. Oktober 2011

Dass ein Regisseur einen Film über Angela Merkel drehen und dabei Hinerzimmer-Diplomatie, Regierungsinterna und Privates an die Öffentlichkeit bringen würde, ist hierzulande  undenkbar. Ein französischer Filmemacher und sein Drehbuchautor waren da mutiger: „The Conquest“ („Der Eroberer“) heiß ein Film über den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy. Xavier Durringer (Regie) und Patrick Rotman (Buch) haben einen fiktiven Film über Sarkozys Politkarriere zwischen 2002 und 2007 gedreht, von dem sie behaupten, dass 90 Prozent dokumentarisch sei.

„The Conquest“ zeigt all die Tricksereien und Ränkespiele hinter verschlossenen Türen zwischen Sarkozy, seinem Vorgänger Jacques Chirac und dem ehemaligen Premierminister Dominique de Villepin.  Wenn man diesen Spitzen der französischen Politik bei ihren Lügen und Verleumdungen zusieht und die rüde Sprache hört, mit der sie politische Gegner und Freunde herabsetzen, verliert man als Zuschauer ein weiteres Mal Vertrauen in die politische Kaste.

Nach der Vorführung von „The Conquest“ im Cinemaxx sagte Regisseur Xavier Durringer, dass es ihm nicht darum gegangen sei, Politiker zu demontieren, sondern zu zeigen, wie ein neues Machtsystem entstehe. Was entlarvend genug ist. Nicolas Sarkozy  wird über diesen Film, der außer Konkurrenz bei den Filmfestspielen in Cannes lief, nicht sehr erfreut gewesen sein: „The Conquest“ zeigt ihn als opportunistischen Machtmenschen, der immer genau das öffentlich sagt, was ihm gerade Wählerstimmen bringt. Der zwischen rechtem und linkem Lager hin- und her diffundiert, sich mal für die Oberschicht einsetzt, dann wieder für die Arbeiter, gerade, wie es passt. „Ich hoffe, dass Carla Bruni den Film inzwischen gesehen hat“, sagte Durringer, „damit sie weiß, was geschah, bevor Sarkozy Präsident wurde und sie seine Frau.“ (oeh)

 

 

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