Hamburger Abendblatt

Archiv für das Tag 'Silber'

Der alte Mann und The Sea

24. September 2011

20110924-225320.jpg Beim Reeperbahn-Festival 2009 war das Londoner Duo The Sea so nett, für unser Videotagebuch exklusiv und unplugged „Two Of Us“ von den Beatles in der – ‚türlich – Beatlemania zu spielen. Anschließend zerlegten sie mit feist lautem Garagenrock den Grünen Jäger.

Dieses Jahr muss zum zehnten Geburtstag von Popup Records das Silber dran glauben, wenn es krachen soll, dass das Blut aus den Ohren spritzt. Siehe Triggerfinger am Freitag. Auch Peter und Alex von The Sea nehmen wie üblich keine Gefangenen – und wenn doch, dann um ihnen mit Drumsticks und Gitarre die Kauleiste zu richten. Da hassu! Gib mir mal ’nen Kuss! Nee, ich küsse keine Männer! Du nennst mich Penner? Tanz für mich! BAMM! (tl)

Happiness is a warm gun

24. September 2011

20110924-012750.jpg „Triggerfinger? Die lagen bei uns jahrelang im Stapel der Aussortierten“, erzählt uns eine Konzert-Promoterin. Und wir würden ihr gern links und rechts eine schallern, würden wir sie nicht so lieb gewonnen haben – weil sie so eloquent ist. Und verdammt hübsch. Aber Triggerfinger… hey…

1998 wurde das klassische Power-Trio in Antwerpen gegründet, und seitdem muss die Band mit drei Alben irgendwie unter dem Radar durchgetaucht sein. Um dann plötzlich dieses Jahr das Reeperbahn-Festival aufzufegen.

Sie sind die hässlichste Combo des Kiez-Marathons: Sänger und Gitarrist Ruben Block ist ein Zwilling des späten Burt Reynolds. Bassist Paul van Bruystegem könnte jederzeit als Rausprügler in den übelsten Kiez-Fallen anfangen. Und Trommler Mario Goossens sieht so aus wie Creams Ginger Baker nach zehn durchwachten Zechnächten. Und trommelt ebenso gut. Zusammen hauen sie das platzende Silber zu klump. Es ist Rock’n’Roll so räudig wie nächtlicher Katzenjammer, dem Mond entgegen. Refrains zum Niederknien, Dynamik zum Aufspringen. Black Sabbath, Blue Cheer, Steamhammer, Led Zeppelin und Blue Öyster Cult sind Wurzeln, Eagles Of Death Metal, Kyuss, De Staat und andere Stoner-Rocker benachbartes Geäst. Und doch sind die drei Triggerfinger an diesem Abend unter den Discokugeln des Silbers der einzige glühende, rauchende Colt auf der Reeperbahn. Heavy as a really heavy thing.

Schon unplugged hinterließen die Belgier einen tollen Eindruck bei „Ray’s Reeperbahn-Revue“. Aber der Volldampf, der vollverstärkt durch das Silber faucht, ist der schiere Wahnwitz. Irgendwelche Einwände, HERR Josefowicz? (tl)

Nö! (josi)

Wegen Überfüllung geöffnet

23. September 2011

20110923-212929.jpg Es ist Freitag. Das heißt: Es wird anstrengend. Gruenspan und Große Freiheit 36 melden Einlass-Verzögerungen, daher weichen wir auf abgelegenere Kiez-Ecken aus. Puste. Kuchen. Im und vor dem Silber geht beim Auftritt von Bleech nicht viel außer einer geduldigen Schlange. Das System: zwei raus und einer rein. Um die Ecke in der Hasenschaukel sieht es bei Nick & Liesl nicht besser aus. Platt gedrückte Nasen hinterlassen Schlieren am Fenster. Auf die Spitze wird das Gedrängel bei den Ska-Niederländern Bazzookas getrieben, die auf dem Spielbudenplatz in einem alten Ami-Schulbus spielen. Und das Ding wackelt!

Woher? Wohin? Was nun? Bei The Get Up Kids im Docks ist noch Platz. Vielleicht hatten die Festivalbesucher schon eine Ahnung, dass der Highschool-Rock aus Kansas City genauso nichtssagend ist wie der der Kollegen Marke Blink-182. Die vor 15 Jahren gegründeten Stehaufkinder gelten sogar als Vorreiter in diesem Genre. Schön für sie. Mach das weg! (tl)