Hamburger Abendblatt

Archiv für das Tag 'Reeperbahn Festival'

Die Geschichten spielen auf der Straße

24. September 2011

20110924-234734.jpg Gar nicht doof, die Dame und die Herren von Still In Search. Wenn eh der ganze Kiez voll mit musik-begeisterten Chaoten ist, warum nicht einfach ein bisschen Eigenwerbung machen?

Die Hamburger Band hat kurzerhand ihr gesamtes Gerümpel auf dem Bürgersteig an der Ecke Talstraße aufgebaut und gibt ein improvisiertes Open-Air-Konzert. Und das, was sich das Trio da zurechtschrammelt, klingt gar nicht übel. Besser jedenfalls als der Post-Grunge von The Duke Spirit, die mich schnell wieder aus dem Gruenspan treiben. Nach einem kurzen Schlenker zur Makrele Bar und dem Orchester Herrengraben und dem überraschenden Freiluftgig treffe ich Kollege Lange wieder, der verschwitzt und leicht zerdellt aus dem Silber kommt.

Wenn man ihn so ansieht, scheint er nicht übertrieben zu haben, als er mit großen Gesten die Vorzüge von The Sea preist. (josi)

I’ll walk a mile for a Festival

24. September 2011

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Immer weiter, immer mehr

24. September 2011

20110924-101238.jpgRein und raus, hin und her. Das Elend des Festivals ist ja, dass man auch bei größtmöglicher Eile mehr verpasst als sieht.

Trotzdem kein Grund, stehen zu bleiben. Wir verlassen die vor Kiezreisegruppen berstende Amüsiermeile, um Susanne Sundfør in der St. Pauli Kirche zu besuchen. Auf dem Weg hören wir von hinten Gepöbel: „Scheiß St. Pauli! Wo ist denn hier alles? Ich bin aus Berlin, weissu?“

Das ist ja schön für den jungen Mann, dass er die Hauptstadt verlassen hat, um Hamburg mit seiner Gegenwart zu beehren. Etwas Häme können wir uns aber nicht verkneifen: Wenn es die Berliner geschafft hätten, aus der vor sich hin siechenden Popkomm… Aber lassen wir das. Die alte Fehde zwischen Hamburg und dieser anderen Stadt ist schließlich schon oft genug thematisiert worden.

In der Kirche angekommen, sind wir beeindruckt: Selten haben Spielort und Künstlerin besser zueinander gepasst als bei Susanne Sundfør. Die elegischen Klänge der Norwegerin scheinen nicht wirklich von dieser Welt zu sein, sind jen- und diesseitig gleichermaßen. Da wird sogar dem eingefleischten Atheisten ein wenig metaphysisch ums Herz. (josi)

Nur weil es nervt, ist es noch keine Kunst

24. September 2011

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Mund zu, Ohren auf

24. September 2011

20110924-085531.jpgRatzinger – oder wem auch immer – sei Dank. Die Schlange vorm Keese ist zwar länglich, hat aber zum Glück nichts mit frühzeitiger Überfüllung zu tun. Yoav ist einfach der erste, der heute hier die Bühne erklimmt. Das Ball-Paradox-Café hatte einfach noch nicht auf.

Eine kleine Weile später ist der Laden tatsächlich gesteckt voll, ein Moderator quasselt Belanglosigkeiten vor sich hin. Jaja, wir wissen schon, dass Yoav geborener Israeli ist. Ist doch sch***egal, wo er herkommt, scheuch ihn auf die Bühne!

Einmannband 2.0. Samplen, abspielen, loopen. Was der Junge mit der Gitarre gerade spielt, was Aufnahme von vor zehn Sekunden ist, man weiß es schnell nicht mehr. Mit dem „Biest“, dem Sortiment von Gadgets, die er mit den nackten Füßen bedient, macht Yoav Dinge. Welche genau, das ist nicht so wichtig. Das Ergebnis zählt. Songwriting, Beats und Lagerfeuerstimmung fummelt er so gekonnt zusammen, dass Kinnladen immer wieder in die korrekte Position gerückt werden müssen. (josi)

Liebeslesen

24. September 2011

20110924-202107.jpg Die Hasenschaukel platzt am Sonnabend schon beim ersten Konzert aus den Nähten. Dabei ist es für das Alternative-Country-Duo This Frontier Needs Heroes aus Brooklyn noch viel zu früh. Brad Laurettis Stimme klingt schon arg übernächtigt, wie Neil Young nach – oder während – seinem ersten Vollsuff. Seine Schwester Jessica gibt dem Klang noch eine Portion melancholische Anlehnung. Zu früh!

Im Gruenspan absolviert Dear Reader aus Südafrika respektive Berlin den zweiten Reeper-Gig. Im Vergleich zum Auftritt vor zwei Jahren wirkt Sängerin Cherilyn weniger zerbrechlich und verlässt die Folk-Pop-Pfade in Richtung ambitionierter, mal filigraner und mal großformatiger Mini-Epen. Jap, der Umzug nach Berlin hat hörbare Spuren hinterlassen. Ein Hörkonzert, kein Festival-Hallogallo. Aber dafür sind ja auch andere zuständig. Audiolith, looking at you! (tl)

Fünfzehn Minuten Rum

24. September 2011

20110924-185431.jpg Mit der Zeit haben wir ein Näschen dafür entwickelt, wo es für lau Bier abzugreifen gibt. So gehen wir erneut zur Ray-Cokes-Revue ins Schmidt-Theater, weil Josi sich als Bühnen-Barmann bewerben will. Das funktioniert zwar nicht (ein Jesus ist immer schneller), aber es wird auch so eine Runde für das Publikum geworfen.

Die Gäste sind heute toll, sowohl musikalisch als auch im Gespräch mit Ray. Dikta aus Island, der in Israel geborene Fahrensmann Yoav (drei Pässe und ein Führerschein aus vier Kontinenten) und Francis International Airport aus Wien machen Spaß.

Wie immer am finalen Showtag schreiben zwei Songwriter einen Song mit Lyrics aus Publikumszurufen. Für die Aufführung wird noch ein Backgroundchor gesucht. Ray fragt Josi, aber der kneift… (tl)

Was heißt hier kneifen? Das war soziales Verantwortungsbewusstsein in höchster Vollendung! Niemand, der mich einmal hat singen hören, möchte diese Erfahrung wiederholen. Und außerdem hast Du Dich doch ganz gut gemacht auf der Bühne: „Oooo-lalaaaa…“
Das ist der Stoff, aus dem Platinplatten gepresst werden. (josi)

Swing time is good time, good time is better time

24. September 2011

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Kleinstadthelden, Großstadtschurken

24. September 2011

20110924-161400.jpg Und weiter geht es mit regionalen Spezialitäten-Showcases. Im Glanz & Gloria präsentieren die Städte Bremen und Groningen (Heimat des Eurosonic-Festivals) die Bands Kleinstadthelden und Eisenhower. Nordish by nature. In südlichere Gefilde geht es im On Air: „Meet the Austrians“. Österreich umgarnt.

Das Land, dass uns erst Freddy Quinn, dann Falco und später Christina Stürmer schickte, stellt sich beim Reeperbahn-Festival mit dem Grazer Indie-Songschreiber Effi nebst Band vor. Kein wirkliches Erweckungserlebnis, der Deckenventilator ist spannender. Ja Panik wäre jetzt nicht schlecht, aber die spielen erst in späteren Stunden im Gruenspan. Zu dumm. Obwohl: Mit der Zeit kommt Effi aus dem Quark in hübsche, sommerliche Disco- und Popgefilde. Nett. Also nettnett, nicht die kleine Schwester von scheiße. (tl)

Gegensätze

24. September 2011

20110924-023239.jpgEine androgyne, schmale Gestalt mit einer Nerdbrille steht beim Kanada-Showcase im Kukuun. Die Gitarre sieht aus, als ob sie zwei Nummern zu groß wäre.
Rae Spoon singt von Dunkelheit und Zerstörung, von Ungerechtigkeiten, während die Sonne durch das Fenster scheint. Seine Stimme weht hell und klar durch den Raum, kollidiert mit der verzerrten Gitarre. Anders, aber auf eine angenehme Weise. (josi)

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