Hamburger Abendblatt

Archiv für das Tag 'Jane Eyre'

Ein Gesicht, zwei Figuren

4. Oktober 2011

Da ist dieses eine Gesicht. Und beim Filmfest Hamburg war es direkt zwei Abende in Folge auf der Leinwand zu sehen. Am Montag im Passage, am Dienstag im Abaton.

Mia Wasikowska hat einen blassen Teint und braune Augen, die dunkel und zugleich transparent scheinen. Unverwechselbar. Und doch lieh sie  dieses Gesicht in jeweils großartigen Filmen zwei sehr unterschiedlichen Frauenfiguren.

Die eine ist Jane Eyre, die Zeit ist das 19. Jahrhundert. In Cary Joji Fukunagas Verfilmung des Brontë-Klassikers ist Wasikowskas Gesicht gerahmt von langen, roten Haare, die meist zu wuchtigen Knoten geschlungen sind.

Die andere ist Annabel Cotton, die Zeit ist das Heute. In Gus van Sants „Restless“ ist das Haar kurz und blond. Das Gesicht ist noch blasser als sonst. Denn Annabel hat Krebs.

Beiden Darstellungen gemein ist das Spiel von Wasikowska, die durchdringende Zurückhaltung, die sanfte Wucht, der störrische Witz, womit sie ihre Charaktere verkörpert.

Am Ende von „Restless“, damit ist nicht zu viel verraten, stirbt Annabel. Ein Bilderrahmen auf der Beerdigung zeigt ein Foto von ihrem  Gesicht. Da sind die Tränen schon längst über das eigene gelaufen. (bir)

  • Filmfest 2011
  • Kommentare deaktiviert für Ein Gesicht, zwei Figuren