Hamburger Abendblatt

Archiv für das Tag 'Coming-Of-Age'

Mit einem Rutsch zu Dolly Parton

7. Oktober 2011

Wie praktisch, dass eine Rutsche direkt zum  Saal 8 des Cinemaxx führt. Einige „Aaahs“, „Uuuhs“ und Kurven später können die Besucher des Kinder- und Jugend-Filmfests Michel so direkt ins nächste Leinwand-Abenteuer durchstarten.

Vielleicht wäre es jedoch gut  gewesen, wenn sich einige der kleineren Gäste am Freitagnachmittag vorab noch ein wenig mehr ausgetobt hätten. Denn die sehr charmante, aber ruhig inszenierte Geschichte „Als Dolly Parton meine Mutter war“ fesselte die jungen  Zuschauer doch nicht so sehr wie ein Film vom Schlage eines „Tom Sawyer“. Und so gab es reichlich Gewusel und Gerenne im Kino, während sich die elfjährige Elizabeth auf der Leinwand auf die Suche nach ihrer leiblichen Mutter macht.

Dabei hätte Tara Johns‘ Spielfilmdebüt durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient – aber wohl eher von Teenagern. Denn die kanadische Regisseurin, die zuvor Werbeclips und Musikvideos drehte, erzählt eine klassische Coming-Of-Age-Story – von der ersten Periode bis zum Erkunden der Welt und der Erkenntnis, wo und wie das eigene Herz schlägt.

Die Handlung: Als im Biologie-Unterricht das Thema Blutgruppen durchgenommen wird, erfährt Elizabeth, dass sie  adoptiert ist. Sie malt sich aus, dass  Dolly Parton ihre Mutter sein könnte. Kurzerhand zieht sie sich Cowboy-Stiefel und Rüschenrock an und  radelt einfach  los, um die berühmte Countrysängerin bei einem Konzert zu sehen.

Julia Stone spielt dieses Mädchen auf Sinnsuche wunderbar eigensinnig und ohne aufgesetzten Frohsinn. Vielmehr verkörpert sie eindrücklich, wie verwirrend und zugleich phantasievoll der Übergang von der Kindheit zum Erwachsenwerden sein kann. Und ganz nebenbei ist der Film auch noch ein Porträt der 70er-Jahre zwischen Spießertum und Emanzipationsbewegungen.

Einen extra Applaus gab es übrigens für „die Petra“, wie die zwei jungen Moderatorinnen die Frau vorstellten, die live den deutschen Text zu dem englischsprachigen Film einlas. Das Skript lag auf einem Pult, das von einer kleinen Lampe beleuchtet wurde. Anfangs waren die akustischen Überlappungen noch ungewohnt. Aber im Laufe der Handlung wurde Petras Stimme zu einem vertrauten Begleiter.

„Als Dolly Parton meine Mutter war“ ist nochmals am Sonnabend, 8.10., um 11 Uhr im Cinemaxx 8 zu sehen. Mutige dürfen die Rutsche nehmen. (bir)

 

 

  • Filmfest 2011
  • Kommentare deaktiviert für Mit einem Rutsch zu Dolly Parton