Hamburger Abendblatt

Hurricane 2011

Danke. Tschüs. Bis nächstes Jahr

19. Juni 2011

Man kann ja müde sein wie man möchte. Aber Dave Grohl und Co machen zuverlässig wieder wach. Mit den Foo Fighters bekommt das Hurricane den Headliner, den es verdient: Laut, hart, schnell, aber keineswegs spaßbefreit. Hach, bei so einem Ende prüft man das Zelt doch schon jetzt auf undichte Stellen. Damit man nächstes Jahr nicht absäuft.
Es hat eine Menge Spaß gemacht, kleinere Knitterfalten sind schnell wieder ausgebügelt worden, musikalisch wurde zwischen regungslosem Zuhören und völligem Exzess nahezu jeder Geschmack bedient: Ich für meinen Teil freue mich schon auf die 16. Auflage des Sturms im Norden. (josi)

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Der Schlaf der Gerechten…

19. Juni 2011

…ich weiß, ich sollte nicht quengeln: Von wegen Luxusprobleme und so. Aber so langsam aber sicher bin ich zum großen Freund der automatischen Korrektur, der ausgedehnten Pausen und des Nachmittags-Schläfchens geworden. Oder kurz gesagt: Aaah, ich werde Dings, wie heißt das? Ach ja, alt.
Die Tatsache, dass ich gerade tatsächlich am Tisch sitzend eingepennt bin, stützt die steile These. Mi Glück bekomme ich die Foo Fighters noch mit, ohne dazu aus Morpheus‘ Armen gerissen werden zu müssen. (josi)

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Göttlicher Beistand

19. Juni 2011

Einer musste es ja machen: Howlin‘ Pelle Almqvist von The Hives beruft sich auf göttliche Intervention, das Wetter betreffend. Und der feine Zwirn – man trägt Frack – scheint tatsächlich Eindruck zu schinden. Zum ersten Mal seit Stunden unternimmt der Sonnenschein einen ernsthaften Vorstoß in Richtung Erdboden. Vereinzelt ist sogar ein Fleckchen blauer Himmel auszumachen. Sollten die Schweden tatsächlich einen direkten Draht nach ganz oben haben? (josi)

Luck Of The Irish

19. Juni 2011

So, nu is egal. Es gallert zwar weiterhin – mit kurzen Unterbrechungen – wie aus Kübeln. Aber das stört mittlerweile niemanden mehr.
Denn Floggin Molly stehen auf der Bühne und machen mächtig einen los. Irisches Erbe und amerikanische Fuck-You-Attitüde treffen aufeinander und verstehen sich blendend. Ich würd‘ ja mehr schreiben, aber mehr kann man zu den irisch-amerikanischen Herren einfach nicht sagen. Alles fein. 🙂

Alles nass, alles gut: Besonders im Zelt

19. Juni 2011

Everything Everything sind wirklich nicht zu beneiden. Denn den das britische Quartett hat den undankbaren 12 Uhr-Slot am Sonntag abbekommen. Vermutlich sind drei Viertel aller Leute noch mit Aufwachen und Sich-An-Den-Eigenen-Namen-Erinnern beschäftigt, mental und physisch weit entfernt von aufnahmebereit.
Nur eine Handvoll Leute hat sich ins Zelt verirrt, wer wegen der Band und wer wegen des Regens hier ist, ist nicht ganz klar.
Aber immerhin: Die Anwesenden werden mit einem feinen Pop-Postpunk-Elektro-Irgendwas-Bastard belohnt. Und schon scheint wieder die Sonne. Zumindest im Kopf.
Bei Evaline und Tusq, den Opener der Green und Blue Stage dürfte hingegen auch die Stimmung zur Wetterlage passen. Neben dem Häuflein Unerschrockener wirken die Pi mal Daumen 500 Leute im Zelt wie eine Riesenmasse. Und zumindest die Hamburg-Berlin-Indie-Allstar-Truppe Tusq hätte deutlich Zuhörer für ihre melancholisch-melodischen Songs verdient. Weather, thou art a heartless bitch.
Doch es braucht schon etwas mehr als einige Tropfen, um Festivalprofis vom Feiern abzuhalten. Schon zwei Stunden später hat sich das Gelände in eine Modenschau für professionelle und kreativ improvisierte Regenkleidung verwandelt.
Hurricane: 1 Regenwetter: 0. (josi)

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Zeltplatz-Entertainment

19. Juni 2011

Oje. Das Festival fordert Tribut. Während wir schon um den Frühstückstisch herumsitzen, wandert eine Kollegin noch zwischen Dusche und Lager umher. Irgendwann nähert sie sich. Aber nicht aus der erwarteten Richtung. Gedankenverloren hat sie ein wenig die Orientierung verloren. Aber diese ganzen Iglu-Zelte sehen halt auch exakt gleich aus. Und verpasst hat sie ohnehin nichts.

Denn das morgendliche Unterhaltungsprogramm fällt aus. Am Sonnabend versuchten unsere Nachbarn noch verzweifelt, ein Sonnensegel zwischen zwei Autos zu spannen. Über eine Viertelstunde hinweg mühten sich die Herren, knoteten, entknoteten und standen verwirrt in der Gegend herum. Schließlich gaben sie auf. Anscheinend endgültig. Schade.

Entertainment ist aber auch im Sanitärwesen zu haben. Die Duschen nämlich stellen klein gewachsene Menschen vor größere Probleme. Der Knopf, der das ersehnte heiße Nass fließen lässt, ist oben am Duschkopf, also in deutlich mehr als zwei Metern Höhe. Wer nicht mindestens 1,65 m misst, tut sich bei der morgendlichen Reinigung sehr sehr schwer. Ein kurzes Grinsen, ein kurzer Griff, Problem gelöst. Man ist ja kein Unmensch. (josi)

Das hätte böse enden können

19. Juni 2011

Lockere 50 Meter von der Bühne entfernt werden die Leute im Sekundentakt aus der Masse gezogen. Der Wellenbrecher kurz vor dem Eingang zur Zeltbühne ist dicht umlagert. Drinnen stehen zweieinhalb Tausend Menschen, draußen verlangen noch mehr Leute nach Einlass, nach Teilnahme am kollektiven Exzess.
Warum Scorpio nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres Frittenbude nicht auf eine der großen Bühnen gebucht hat, ist ein Rätsel. Eines, dass niemand wirklich auflösen kann. Wäre mehr Platz, gäbe es kein Problem. So aber drängeln Leute von hinten, während vorn keine Möglichkeit zum Ausweichen besteht.
Die Zeltplane an der Seite aufzurollen und dem Mischer die Erlaubnis zu geben, so laut zu drehen, wie er möchte, ist keine Lösung: Oder, wie einer der Ordner sagt, „grob fahrlässig von Scorpio“.
Die Ordner sind es auch, die – zum Großteil – versuchen, die Situation zu entkrampfen: Sie animieren die Menge zum Tanzen, signalisieren so, dass sie nicht der Feind sind, als der jeder mit einer „Security“-Weste gern wahrgenommen wird. Sie verteilen zusammen mit den Rettungskräften Wasser an die Leute.
Glücklicherweise geht der Auftritt der Audiolith-Vorzeigechaoten ohne allzu große Katastrophen über die Bühne. Kaputtgetanzte Menschen verteilen sich nach 90 Minuten wieder auf dem Gelände. Aber es war knapp. Zu knapp für meinen Geschmack. (josi)

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Menschen staunen: Sensationen

18. Juni 2011

Wie macht der das? Der Typ auf der Bühne läuft an einer senkrechten Stange hinauf, als ob die Schwerkraft für ihn um 90 Grad gekippt worden sei.
Mit der Gravitation scheinen aber ohnehin alle Artisten des Hurricane-Zirkus irgendeine Spezialvereinbarung getroffen zu haben: Die B-Boys drehen sich auf dem Kopf, der The-Crow-Klon lässt fünf Ölfässer gleichzeitig rotieren. Und das, was die junge Frau mit den Hula-Hoop-Reifen anstellt, grenzt hart ans Unanständige.
Zwischen mehr als 80 Bands haben es die Zirkuskünstler nicht leicht. Nur ein paar hundert Leute schauen ihnen zu, während vor den anderen Bühnen schon wieder der Mob tobt. Falls das irgendwer liest, der am Eichenring herumturnt: Morgen. Hingehen. Applaudieren. Die Damen und Herren haben es mehr als verdient. Und gute – oder noch bessere – Laune gibt’s gratis dazu.
Obwohl auch der Typ, der gerade von zwei Security-Vögeln vom Platz geführt wird, recht unterhaltsam zu sein scheint. Das legt zumindest sein Outfit nahe: Sombrero und String-Tanga und sonst nichts. (josi)

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Monster sind nicht immer gruselig

18. Juni 2011

Ach ja, damals. Wir waren jung und Dave Wyndorf eine Art funkelnder Stoner-Gott. Drogen? Wer braucht Drogen, wenn er Monster-Magnet-Platten haben kann. In jeder einzelnen Scheibe liegt bis heute genug Sekundär-Rausch, um einen für Stunden aus dem schnöden Alltag zu katapultieren.
Und obwohl er dem ganzen bewusstseinserweiterndem Teufelszeug mittlerweile abgeschworen hat und sein Gesicht deutlich runder ist als anno Tobak:
Diese Mischung aus blubberndem Testosteron und die Synapsen verkleisterndem, wummerndem Space Rock haben die Herren immer noch drauf. Chapeau, Kratzfuß, mein Haar streift den Teppich bei meiner Verneigung. (josi)

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Was lange währt, wird endlich nass

18. Juni 2011

Eine der weniger bekannten Tugenden des Festivalgängers ist Geduld. Denn alles, was keinen Platz im Gepäck gefunden hat – sei es aus Faulheit („Essen? Kann ich mir doch kaufen.“), Vergesslichkeit („Die Zahnbürste. Jetzt weiß ich wieder, woran ich unbedingt denken wollte.“) oder wegen digitaler Befindlichkeiten („Hilfe! Mein Akku ist alle und ich war schon seit zwei Stunden nicht mehr bei Facebook!“) -, kann ersetzt werden: Wenn man sich hinten anstellt.
Besonders beliebt ist aktuell der Stand des rosa Riesen, an dem man sein elektronisches Helferlein wieder mit Strom versorgen kann. Und wer da im Moment ausharrt, spart sich gleich eine andere Schlange: Die für die Dusche. Hab ich eigentlich mein Zelt zugemacht? (josi)

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