Hamburger Abendblatt

Harbourfront

Wer ist John Irving?

12. September 2010

Ein kurzer Schauer treibt die bereits frühzeitig eingetroffenen Gäste am Sonntagmorgen in die Laeiszhalle. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Lesung von John Irving ist es voll. Vor der Halle, in der Halle und um die Halle herum.

In der U-Bahn versuchen eine Mutter und ihre Freundin, der Tochter zu erklären, wo sie hingehen: „John Irving. Wenn du möchtest, versuchen wir, dir ein Autogramm mitzubringen.“ „Wer ist denn das? Kenn ich nicht“, lautet die gelangweilte Antwort. Einige Erklärungsversuche später weiß die junge Frau zwar noch immer nicht, wer Mama zu für sie nachtschlafender Uhrzeit aus der Wohnung gelockt hat, möchte aber trotzdem ein Autogramm: „Man weiß ja nie, kann man ja immer brauchen. Ich geh‘ jetzt erstmal schlafen.“ Gute Nacht. (Alexander Josefowicz)

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Ein Plausch in entspannter Runde

11. September 2010

Die Salonbar auf der Cap San Diego füllt sich stetig, nachdem auch die letzte Lesung des Sonnabends zu Ende gegangen ist. Konsumenten und Produzenten treffen aufeinander, die Generationen vermischen sich, es wird entspannt geplaudert, über die Schwierigkeiten kleiner Verlage und großer Namen, die beklagenswert niedrige Bezahlung eines Buchhändlers und die Seetüchtigkeit von Schiff und literarischer Besatzung. Wobei das Schwanken, das von einigen beklagt wird, die Leidenden als Landratten outet, denn es weht kaum ein Lüftchen und der Rumpf liegt still im Wasser. Weniger still ist es auf der vorbeiziehenden Disco-Barkasse. Laute Hip-Hop-Klänge dringen herüber, machen noch einmal den Kontrast zwischen dem – zumindest heute Abend – sehr gediegenen Publikum der Bordbar und den Feierwütigen in Musikextase deutlich. (Alexander Josefowicz)

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Von Debütanten und Etablierten

10. September 2010

John Grisham und der Debütantensalon. Auf der einen Seite der Südstaaten-Gentleman mit Weltruf, auf der anderen Seite die jungen Wilden. Die mit beachtlichem Selbstbewusstsein aus ihren Texten vortragen. So wie Markus Feldenkirchen, der sich bei der Lesung aus „Was zusammengehört“ auf der Cap San Diego fragt: „Wo liest denn dieser Grisham heute abend überhaupt?“ „Dieser Grisham“, das ist der mit den 250 Millionen verkauften Büchern und das Highlight des zweiten Harbour Front Festivals.

Der liest in der Laeiszhalle. Und stichelt ein wenig gegen seinen Freund Stephen King. Er glaube nicht daran, dass King einfach seinen Figuren folge, ohne einen Plan, wo die Geschichte ende. „Ich denke, er lügt“, sagte Grisham grinsend. Der Horrorautor ließ Grisham auch beim anschließenden privaten Abendessen – zu dem ihm einige Fans folgten, um doch noch ein Autogramm ergattern zu können – nicht los. Seine eigenen Werke seien in 38 Sprachen übersetzt, die von Stephen King sogar in 75. „Ach, das glaube ich nicht“, sagte Grisham. „75 Sprachen?! Gibt es überhaupt so viele?!“
(Alexander Josefowicz)

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Lesen, lesen, lesen

9. September 2010

Von Maike Schiller

Literatur kann ja, ihrer Natur nach, eine ziemlich einsame Sache sein. Ein Autor, ein Leser, ein Buch. Mehr braucht es eigentlich nicht, Einsamkeit beim Schreiben und Einsamkeit beim Lesen gehen eine verlockende Liaison ein, eine gute Einsamkeit ist das nämlich, eine, die verbindet. Den Schriftsteller mittels seiner Figuren mit dem Leser, die Leser untereinander, wenn sie sich austauschen über ein beglückendes (oder manchmal auch verstörendes) Leseerlebnis und natürlich die Leser mit den eröffneten Welten, mit neuen Lebensperspektiven oder allzu bekannten, beides hat ja seinen ganz besonderen Reiz.
So wie es auch seinen unbestreitbaren Reiz hat, die Einsamkeit der Leseerfahrung hin und wieder ganz bewusst gegen das kollektive Erlebnis einzutauschen. Das zweite Harbour-Front-Festival ermöglicht auch in diesem Jahr – wie schon die äußerst gelungene Premiere im vergangenen September – wieder den Anreiz zur literarischen Auseinandersetzung über alle Genregrenzen hinweg. Lesen, auch das stimmt, schafft Gemeinsamkeit.
Zahlreiche Lesungen an charmanten, auch ungewöhnlichen Veranstaltungsorten in Elbnähe legen dem Publikum nicht nur aufregende und anregende (Neu-)Erscheinungen aus dem literarischen Jahr ans Herz, sondern bringen auch die Verursacher ihren Konsumenten näher. Und umgekehrt. Wie klingt eigentlich John Grisham, der in Hamburg seine allererste Lesung in Deutschland gibt? Wie arbeitet Ferdinand von Schirach, dessen zweiter Band, „Schuld“, für ähnlich viel Furore sorgt wie sein Debüt? Was sind die literarischen Favoriten der Hamburger Autorin Brigitte Kronauer, die zum Festivalauftakt im Hause des Hauptsponsors auftritt?
Der Debütantensalon eröffnet Begegnungen mit dem literarischen Nachwuchs, John Irving, der alte Hase, kommt mit „Letzte Nacht in Twisted River“ aus den USA, Claude Lanzmann mit seiner bewegenden Lebensgeschichte aus Frankreich, Sofi Oksanen aus Finnland – und Ildikó von Kürthy inhaltlich wie geografisch praktisch von nebenan.
Es wäre schon arg verwunderlich, wenn in diesem so reichhaltigen wie vielfältigen Programm nicht jeder etwas fände, egal welche Lesegewohnheiten er sonst so pflegt – oder ob überhaupt. Die langen Abende kommen früh genug. Und dann? Na, was sonst: lesen, lesen, lesen. Wir wollen Sie gern mit darauf einstimmen.
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