Hamburger Abendblatt

Dockville 2010

„Du musst nur an dich glauben“

15. August 2010

Soll sich der Kollege Josefowicz die Nacht um die Ohren schlagen, ich beziehe nach einer gründlichen Abstaubung (der Hubschrauber) Horchposten Matratze… leider nicht mit Friska Viljor, Klaxons oder Frittenbude im Kopf, sondern mit Peter Maffay, der die Taxi-Fahrt vom Dockville-Eingang zur S-Bahnstation Wilhelmsburg (wenn man 3 Mitfahrer findet, macht das 2 Euro pro Nase) zum Horrortrip macht: „Selbstvertrauen! Du brauchst nur: Selbstvertrauen!“

Welcher wahnsinnige Radio-Nachtdienstler ist da auf die Idee gekommen, a) Peter Maffays Uralt-Album „Revanche“ von 1980 herauszukramen und b) „Selbstvertrauen“ aufzulegen? Es wird bis Jan Delay dauern, um diesen garstigen Ohrwurm loszuwerden. Mindestens. (Tino Lange)

  • Dockville 2010
  • Kommentare deaktiviert für „Du musst nur an dich glauben“

Wanderer zwischen den Welten

14. August 2010

Entscheidungen, Entscheidungen. Bei den Headlinern am späten Sonnabendabend fällt die Auswahl so schwer, dass am Ende die Qual der Wahl einfach umgangen wird. „Einmal alles, mit scharf!“ Erst eine Portion Klaxons, dann eine Prise Frittenbude und das Gleiche nochmal umgekehrt. Die kurzen Wege helfen.

Und nach all dem Gemeckere über einfallsloses Gequengele, uninspiriertes Herumgealber und einen faden Nachgeschmack hinterlassende 80er-Reminiszenzen gibt es gleich zwei hervorragende Bands gleichzeitig. Engländer wie Deutsche überzeugen vollständig, der Konzerttag endet, was die großen Bühnen angeht, mehr als nur versöhnlich. So schön kann Festival sein. Einziger Wermutstropfen: Man kann auch mit schnellstem Hin- und Hergelaufe nicht alle Lieder von beiden Bands sehen und will den letzten Blogeintrag am Sonnabend auch noch vor Mitternacht online gestellt haben. Aber egal, die Laune ist hervorragend. Dann wollen wir doch mal sehen, was die diversen DJs noch so zu bieten haben. (Alexander Josefowicz)

  • Dockville 2010
  • Kommentare deaktiviert für Wanderer zwischen den Welten

„Zu jedem Pups-Event werde ich eingeflogen“

14. August 2010

Während Uffie mit ihrem überschätzten 80ies-Hip-Pop langweilt, herrscht hinter der Vorschot-Bühne helle Aufregung: Ein Stargast soll per Hubschrauber eingeflogen werden, so der Flurfunk. Tatsächlich kommt ein Helikopter angerauscht und lässt die wartende Menge ordentlich Staub futtern.

Aber wer steigt da aus und hechtet in die VIP-Limousine? Jan Delay? Angela Merkel? Niemand erkennt den Gast, man vermutet die Klaxons (die sitzen backstage und geben Interviews im Akkord), Fritz Kalkbrenner oder „Herrn Kunst vom Sigmund-Lachs-Institut (SLI)“.

Wahrscheinlich ist es nur eine Kunstperformance der aeroplanen Art. Mit Blaulicht geht es durch die Menge, verfolgt von kreischenden (bestellten) Claqueuren. Wenn der VIP schlau ist, hält er nicht bei Uffie. (Tino Lange)

  • Dockville 2010
  • Kommentare deaktiviert für „Zu jedem Pups-Event werde ich eingeflogen“

Don’t believe the hype

14. August 2010

Bonaparte sind das heiße Ding der Stunde. Spex-Titel, Festival-Gigs en masse, angesagt, angesagt, angesagt. Mit Punk-Pop-Rock-Wasweissich-Tönen, schrägen Kostümierungen und einem arg verklausulierten theoretischen Überbau zwischen Kunstkollektiv und Hedonismusmusik hat sich die Truppe um Tobias Jundt schnell in die Herzen von Fans und Kritikern gespielt. Auch beim Dockville drängen sich jede Menge Menschen um die Hauptbühne. Trotzdem: mir ist der kaum kontrollierte Ausnahmezustand eines Audiolith-Jungs-Konzertes weit lieber als die inszenierte Hauptstadtattitüde mit strippender Marie Antoinette, Tierkostümen und Teewärmern als Kopfbedeckung. (Alexander Josefowicz)

„Wir flitzen… alle machen mit!“

14. August 2010

„Something is wrong here“, wundern sich die Londoner Retro-Popper Kitty, Daisy & Lewis. Mitten in der Zeitreise zurück zum Rhythm & Blues und Rock & Roll der 50er stürmt ein Flitzer die Bühne, nur eine Art Borat-Body aus Paketband tragend, der das Wichtigste gerade nicht verhüllt. Klassischer Festival-Exzess, der sich einreiht in Sansobär-Kostüme und Deichkind-esque Müllsack-Kreationen. Wem 12 Kannen Bier nicht reichen…

Kitty (Kontrabass), Daisy (Schlagzeug im Damensitz, apart) und Lewis (Gitarre) lassen sich davon nicht beirren und treiben Retro mit einem Effekt auf die Spitze, den nur noch Vinyl-Enthusiasten kennen. Bei einem Takt bleiben sie zwei Minuten hängen, bis jemand die Nadel wieder in die Rille setzt. Nicht übel, das. (Tino Lange)

  • Dockville 2010
  • Kommentare deaktiviert für „Wir flitzen… alle machen mit!“

Friske Fisk

14. August 2010

Als das Stockholmer Songwriter-Duo Friska Viljor im November beim Rolling Stone Weekender am Weißenhäuser Strand auftrat, hatten die beiden sympathischen Schweden gut einen im Kahn, entsprechend lustig war das Konzert. Auch das Dockville-Konzert kommt sehr gut an. Friska Viljor sind zwar nüchtern (?), haben dafür aber eine komplette Band dabei und hauen einen raus. Natürlich kommt einer ihrer heimlichen Hits in Hamburg besonders an: „Wohlwill“ (sprich: „Wohlwillstraße“). Ganz in der Nähe werden die Jungs im September mit einem DJ-Set gastieren – beim Reeperbahn-Festival. Ja, die Jungs lassen nichts aus, und warum sollte es auch anders sein.

Auf dem Rückweg zum WLAN-Spot bemerken wir an einer Hallenwand einen Automaten. Dort kann man aber keine Kippen oder Verhütungsmittel ziehen, sondern handgeschnitzte Figürchen. Hoffentlich enttäuscht das niemanden in dunkler, zweisamer Festivalnacht. Frei nach Klee: „Verliebt Euch! Knutscht! Bewerft Euch mit Holzenten!“ (Tino Lange)

GAU (Größter anzunehmender Unterschied)

14. August 2010

Sonnabend nachmittag, auf der Vorschot-Bühne stehen diverse durchgeknallte Norweger. Kakkmaddafakka nennen sich die Herren, die einen Raubzug durch Genres von Funk bis Rock und von Rap bis Pop angetreten haben und sich vermutlich alle mit größeren Mengen Energiegetränken auf ihre Auftritte vorbereiten. Die Performance macht Spaß, die Musik auch, breit grinsend wendet sich der Autor nach dem Konzert in Richtung Großschot und der dortigen Fressmeile.

Und stolpert unwissenderdings ins musikalische Verderben: Noch mehr Nordleute, diesmal aus Island, doch das ist auch die einzige Gemeinsamkeit zwischen Kakkmaddafakka und Seabear. Denn die Seebären heulen, quengeln, jammern. Das Publikum am Vorschot hüpfte, sprang und feierte, vor dem Großschot sitzen die Menschen und lauschen andächtig (oder doch katatonisch?). Langweilig, langweilig, laaaangweilig. Die Laune bessert sich erst durch „ein halbes Schwein auf Toast“ (O-Ton der Verkäuferin), einem monströsen Roggenbrötchen mit Krustenbraten, Salat und Sauce. Hervorragend, aber kaum unfallfrei zu verzehren. Definitiv keine Mahlzeit für das erste Date, es sei denn, man plant ein 9 ½ Wochen-Remake. (Alexander Josefowicz)

  • Dockville 2010
  • Kommentare deaktiviert für GAU (Größter anzunehmender Unterschied)

„Ich habe eine Vision: Ich sehe eine… Taxifahrt“

14. August 2010

Das Allerheiligste auf einem Festival ist: der Zeitplan. Gerade bei über 90 Bands und Djs auf dem Dockville ist es schwer genug, alles Gewünschte zu sehen. Eine der Maschinenraum-Bands hatte am Freitag ihre Instrumente verbummelt und sprengte die Abfolge, so dass die Hamburger Elektro-Rocker Bratze erst mit knapp zwei Stunden Verspätung auf die Bühne durften. Immerhin war es im Maschinenraum („Und hier kommt Johann, das Gespenst“) deutlich wärmer als bei Bratzes Auftritt vor zwei Wochen bei „Rocken am Brocken“: Im beschaulichen Dorf Elend (bei Sorge) herrschten erfrischende 8 Grad Celsius, wie Bratze-Hälfte Kevin alias Clickclickdecker vor seinem Dockville-Gig erzählte.

Geduld war auch bei der Heimkehr gefragt: Lange Schlangen bis tief in die Nacht an der Buskehre. Dazu stürzten sich ungezählte Taxen auf die müden Heimfahrer wie Geier auf ein angebissenes Gnu und blockierten so die Zufahrten. Fahrdauer per Shuttle, S-Bahn und Fußmarsch von Wilhelmsburg bis Barmbek-Süd: 90 Minuten. Soviel Zeit braucht man mit dem Auto von Scheeßel oder Wacken nach Hamburg. (Tino Lange)

  • Dockville 2010
  • Kommentare deaktiviert für „Ich habe eine Vision: Ich sehe eine… Taxifahrt“

Guten Morgen!

14. August 2010

Ein weiterer Vorteil eines Festivals in der Heimatstadt wird am Morgen des zweiten Tages offenbar: Nach erholsamem (wenn auch nicht allzu langem) Schlaf im eigenen Bett, einer ausgiebigen Dusche und frisch gebrühtem Kaffee sieht die Welt sogar noch freundlicher aus als ohnehin schon. Das Wetter ist deutlich besser als von der Meteorologie-Auguren prophezeit, aus dem Shuttlebus strömten bereits erstaunlich viele mehr oder minder wache, mit Leergut und Einkaufstaschen beladene Festivalgäste, und die erste Band des Tages, Tonbandgerät, geht gleich auf die Bühne. Bereits von der Volkswagen Sound Foundation als Talent entdeckt dürfen sich die jungen HamburgerPopmusiker seit neuestem auch mit dem Krach & Getöse-Preis des Rockcity Hamburg e.V. schmücken. Mal schauen, was die Vier so auf das Vorschot zaubern. (Alexander Josefowicz)

Ein Fahrrad für ein Netzwerk!

13. August 2010

Wir sind backstage im kombinierten Presse- und Artist-Bereich. Die Schlange am VIP-Bierstand ist beeindruckend. Arbeiten tut hier keiner… wären da nicht die beiden Abendblatt-Blogger auf der Suche nach dem Hotspot. Wir halten unsere Netbooks in alle Windrichtungen und nehmen Witterung auf. Da! Tatsächlich! Wenn man das Laptop direkt auf den Sattel des Drahtesels legt, der – lecker, lecker – direkt neben den mobilen Toiletten angeschlossen wurde, bekommt man ein leichtes Gefühl von Sendesignal.

Wir drücken auf „senden“.

Sanduhr.

Sanduhr.

Sanduhr.

Sanduhr.

(Tino Lange)

  • Dockville 2010
  • Kommentare deaktiviert für Ein Fahrrad für ein Netzwerk!

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »