Hamburger Abendblatt

Berlinale 2011

Berliwas?

13. Februar 2011

Ein bisschen Hamburg in der Hauptstadt: Der Hamburger Filmbrunch auf der Berlinale – fand heute früh in der Hamburger Vertretung in Berlin statt – ist ja immer eine super Gelegenheit, um über die Wettbewerbsfilme und mögliche Bären-Anwärter zu sprechen. Dumm nur, wenn die Leute nach vier Tagen Berlinale noch kaum einen Film gesehen haben. Hatten aber auch beste Ausreden parat, die Herrschaften: Armin Rohde ist im Partystress („schlafe nur noch im Taxi“), Marie Bäumer ist verschnupft („hätte so gerne den Panahi-Film gesehen“), Detlev Buck kam leicht verkatert nur für den Brunch nach Berlin (hatte eine harte Nacht in St. Peter-Ording) und Kostja Ullmann feierte zwar ’ne Berlinale-Party im „Borchardt“, hat aber keinen einzigen Film gesehen. Naja… Ist ja noch eine Woche Zeit… (Katharina Miklis)

Panahis Brief aus dem Gefängnis

11. Februar 2011

Um 16.30 Uhr wird heute Jafar Panahis Film „Offside“ (bekam 2006 den Silbernen Bären) im Berlinale Palast aufgeführt. Eine Menge Promis werden erwartet, die mit ihrer Anwesenheit ihre Solidarität mit dem verhafteten Regisseur aus dem Iran bekunden möchten. Mit offenen Worten hat Panahi inzwischen in einem offenen Brief das iranische Regime kritisiert:

„In der Welt eines Filmemachers fließen Traum und Realität ineinander. Der Filmemacher nutzt die Wirklichkeit als Inspirationsquelle, er zeichnet sie in den Farben seiner Vorstellungskraft. Damit schafft er einen Film, der seine Hoffnungen und Träume in die sichtbare Welt trägt.

Die Wirklichkeit ist, dass mir ohne Prozess seit fünf Jahren das Filmemachen untersagt wird. Jetzt wurde ich offiziell verurteilt und darf auch in den nächsten 20 Jahren keine Filme realisieren. Trotzdem werde ich in meiner Vorstellung weiterhin meine Träume in Filme übersetzen. Als sozialkritischer Filmemacher muss ich mich damit abfinden, die alltäglichen Probleme und Sorgen meines Volkes nicht mehr zeigen zu können. Aber ich werde nicht aufhören, davon zu träumen, dass es in 20 Jahren keines dieser Probleme mehr geben wird und ich dann, wenn ich wieder die Möglichkeit dazu habe, Filme über den Frieden und den Wohlstand in meinem Land machen werde.

Die Wirklichkeit ist, dass mir für 20 Jahre das Denken und Schreiben untersagt wurde. Aber sie können mich nicht davon abhalten zu träumen, dass in 20 Jahren die Verfolgung und die Einschüchterung durch Freiheit und freies Denken ersetzt sein wird.

Mir wurde für 20 Jahre der Blick auf die Welt entzogen. Aber ich hoffe, nach meiner Freilassung eine Welt ohne geografische, ethnische und ideologische Grenzen zu bereisen. Eine Welt, in der die Menschen ungeachtet ihres Glaubens und ihrer Überzeugungen in Frieden miteinander leben.

Ich wurde zu 20 Jahren Stillschweigen verdammt. Aber in meinen Träumen schreie ich nach einer Zeit, in der wir uns gegenseitig tolerieren und unsere jeweiligen Meinungen respektieren, in der wir füreinander leben können.

Letztendlich bedeutet die Wirklichkeit meiner Verurteilung, dass ich sechs Jahre im Gefängnis verbringen muss. In den nächsten sechs Jahren werde ich in der Hoffnung leben, dass meine Träume Realität werden. Ich wünsche mir, dass meine Regiegefährten in jedem Winkel der Welt in dieser Zeit so großartige Filme schaffen, dass ich, wenn ich das Gefängnis verlasse, begeistert sein werde in jener Welt weiterzuleben, die sie in ihren Werken erträumt haben.

Ab jetzt und für die nächsten 20 Jahre werde ich zum Schweigen gezwungen. Ich werde gezwungen, nicht sehen zu können, ich werde gezwungen, nicht denken zu können. Ich werde gezwungen, keine Filme machen zu können.

Ich stelle mich der Wirklichkeit der Gefangenschaft und der Häscher. Ich werde nach den Manifestationen meiner Träume in Euren Filmen Ausschau halten: In der Hoffnung, dort das zu finden, was mir genommen wurde.“

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Jeremy Irons in Seenot

11. Februar 2011

Jeremy Irons ist seit längerer Zeit mal wieder auf der Leinwand zu sehen. Im Banken-Thriller „Margin Call“ spielt er den Firmenchef John Tuld, der versucht, beim Crash der Firma den Kopf über Wasser zu halten. Privat ist ihm das besser gelungen, erzählte er jetzt auf der Berlinale. Der passionierte Segler geriet mit seinem Boot in schweres Wetter und kam mit dem vollgelaufenen Segler in seinen Heimathafen zurück. Angst? „Auf Schwimmwesten kann man sich verlassen“, freute er sich. Demnächst ist er übrigens in der TV-Serie „Die Borgias“ als Papst Rodrigo Borgia zu sehen. Regie führte Neil Jordan. (Volker Behrens)

„Margin Call“ – Und wo bleibt Demi Moore?

11. Februar 2011

Okay, am Ende hat man wissentlich „ein paar Leute in den Ruin getrieben“, und John Tuld wird in diesem Jahr ausnahmsweise mal nicht 86 Millionen Dollar (plus Boni) einsacken -, aber, hey, wie sagt Sam Rogers so schön, nachdem achtzig Prozent der Belegschaft gefeuert worden sind? „Sie sind die Überlebenden. Das ist Ihre Chance!“ Wer geglaubt hatte, dass die internationale Finanzkrise ein zu trockener Stoff fürs Kino wäre, wird durch J.C. Chandors Wall-Street-Drama „Margin Call“ schnell eines Besseren belehrt. Nicht zuletzt deshalb, weil der Independet-Film Schauspieler wie Jeremy Irons (Tuld) und Kevin Spacey (Rogers) aufbietet. Die ganze gut gelaunte Truppe ist – mit Ausnahme von Demi Moore – heute übrigens in Berlin. (Barbara Möller)

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Harter Hund ganz weich…

11. Februar 2011

Hauptdarsteller Jeff Bridges, der den harten Hund Rooster Cogburn spielt, ist im wahren Leben durchaus zart besaitet. Er nimmt gerade mit T-Bone Burnett ein neues Album auf, töpfert in seiner Freizeit und sitzt gern weich. Jedenfalls brachte ihm ein Mitarbeiter ein weiches Kissen. Nachdem er den Raum verlassen hatte, blieb das Polster platt zurück und die Kollegen überlegten schon, ob man es bei ebay als „das Kissen, auf dem Jeff Bridges gesessen hat“ einstellen sollte. Da kam der Kissentansporteur zurück und trug es dem Meister nach. Zu viel geritten, Mr. Bridges? (vob)

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Ein gestriegelter Jeff Bridges auf dem Teppich

10. Februar 2011

Es geht los! Der rote Teppich vor dem Theater am Potsdamer Platz ist ausgerollt. Die ersten Promis trudeln ein. Josh Brolin schreibt eifrig Autogramme. Die Coen-Brüder nehmen einen kräftig herausgeputzten Jeff Bridges auf dem roten Teppich in Empfang. In wenigen Minuten werden Jury-Präsidentin Isabella Rossellini und Berlinale-Direktor Dieter Kosslick zusammen mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Bürgermeister Klaus Wowereit die 61. Internationalen Filmfestspiele Berlin eröffnen. Anke Engelke moderiert die Gala-Nacht. Wir sind gespannt, wie der Coen-Western „True Grit“, der Premiere feiert, bei dem Berlinale-Publikum ankommt… (Katharina Miklis)

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„True Grit“-PK: Wer ist denn John Wayne?

10. Februar 2011

John Wayne? Wer war das denn? Auf die Frage nach der Bedeutung des „Duke“ gab’s gerade auf der Pressekonferenz der Coen-Brüder in Berlin erst mal allgemeines Schulterzucken. Und alle behaupteten, sich die alte „True Grip“-Version während der Vorbereitung auf das Remake nicht mal angesehen zu haben.  O-Ton Joel Coen: „Mein Sohn ist sechzehn, ich glaube, der hat keine Ahnung, wer John Wayne war!“ Diese Bemerkung ging Jeff Bridges, der jetzt die Rolle des versoffenen Marschalls spielt, dann doch über die Hutschnur. Bridges, inzwischen 61, verneigte sich mit der Bemerkung vor dem „Duke“, das sei einer gewesen, der in seinen Filmen über die reine Schauspielerei  weit hinausgegangen sei. (Barbara Möller)

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Jetzt knallt’s!

9. Februar 2011

„Niemand nennt mich Lebowski. Ich bin der Dude, Mann!“ Ist schon ein paar Jahre her, dass sich Jeff Bridges mit diesem Satz in der Kinogeschichte verewigte. In „The Big Lebowski“, diesem schrägen Film der Coen-Brüder, die ihre Einfälle als „geistige Sorbets“ bezeichneten und Bridges Hosen aus Gardinenstoff verpassten, wenn sie ihn nicht kiffend in seinem Bademantel herumschlurfen ließen. Als Bridges damals zur Berlinale kam, wusste man nicht genau, wo die Fiktion aufhörte und das Leben anfing, denn irgendwie wirkte der Mann auf der Pressekonferenz auch stark bekifft. Jetzt  ist er wieder da. Als erster aus dem „True Grit“-Ensemble landete Bridges heute in Berlin. Mit dem Neo-Western der Coen-Brüder wird morgen Abend  bekanntlich die Berlinale eröffnet. Dann knallt’s! (Barbara Möller)

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