Hamburger Abendblatt

Der Berlinale-Sound: Zwischen Schrummschrumm und Stille

16. Februar 2012

Mit der musikalischen Begleitung ist das in Filmen so eine Sache. Von den Amerikanern ist man im Kino ja eine süßliche Dauerbeschallung gewöhnt, die einen am Sessel festkleben lässt. Das spricht nicht immer für das Vertrauen in die Regisseure.
Wie auch immer. Jedenfalls tut es gut, mal einen völlig musiklosen Film zu erleben. Den haben – und „Just the Wind“ ist auch sonst vorzüglich – die Ungarn ins Rennen geschickt.

Am scheußlichsten, das muss jetzt einfach mal gesagt werden, waren die chinesischen Gesänge in dem auch sonst bei den Kritikern vollkommen zu Recht durchgefallenen Drei-Stunden-Epos „White Deer Plain“! Von dem elenden Schrummschrumm auf den Saiteninstrumenten Marke Eigenbau mal ganz abgesehen.
Apropos Gesänge: Matthias Glasner beschränkt sich in seinem Schuld-und-Sühne-Drama „Gnade“ auf einen Kirchenchor. Man hätte auch gar nicht sagen mögen, was zu den atemberaubenden Bildern vom Nordkap (Kamera: Jakub Bejnarowicz) gepasst hätte. Weniger ist eben manchmal mehr. Diese Erkenntnis ist zwar nicht originell, aber in puncto Filmmusik so was von zutreffend! (BaM)