Hamburger Abendblatt

Fragen an die Plagen

15. Februar 2012

Wie man dreiste Fragen professionell pariert, dabei ganz freundlich bleibt, aber auch durchblicken lässt, auf was für einen Schwachsinn man da gerade antwortet, konnte man auf der Pressekonferenz von Hans-Christian Schmids Wettbewerbsbeitrag „Was bleibt“ von Corinna Harfouch lernen. Sie sei ja als „Intendantenplage“ verschrien, begann ein Kritiker die allgemeine Fragerunde. Ob sie auch eine „Regisseurplage“ sei? Harfouch stutzte, lachte hell auf, schüttelte das blonde, perfekt sitzende Haar und sagte: „Nicht immer.“ Blick zu Hans-Christian Schmid. „Ich lass immer mal einen aus.“ Touché.

Und auch in der verbleibenden halben Stunde trugen Harfouchs Süffisant und ihre (erstaunliche) Offenheit erheblich zur gelungenen Fragerunde bei – in der es für Schauspieler ja ungleich schwerer ist, sinnvolle Dinge zu sagen als für Regisseure und Drehbuchautoren. Ständig muss man erzählen, wieviel von einem selbst in der Rolle steckt; wer hier Kluges von sich gibt, ist die große Ausnahme. Harfouch jedenfalls erklärte, die Rolle der depressiven Mutter, die sich am Ende dafür entscheidet, ihre Familie zu verlassen, habe sie „wahnsinnig traurig“ gemacht. Sie kenne eine Menge Leute, „einschließlich einem selbst“, die Depressionen hätten. Und sie wolle – anders als im Film, der auch einen Generationskonflikt behandelt – von ihren eigenen Kindern lieber „Mutti oder Mama“ gerufen werden als Corinna, „schrecklich“. Corinna Harfouch spielt ihre Rolle übrigens herausragend. Selbst wenn sie eine Regisseurplage wäre – die Mühe wäre es wert gewesen. (jac)