Hamburger Abendblatt

Monatsarchiv für September 2011

Was kostet ein Bier? 8000 Mark!

24. September 2011

20110924-211811.jpg Die jungen Festivalbesucher gehen schon auf dem Schlauch. Eine Gruppe Teens möchte unbedingt per Velo-Taxi zum Silber chauffiert werden. Eine großartige Idee, so an der Reeperbahn, Ecke Silbersackstraße… Eine Kreuzung weiter purzeln die Junggesellenabschiede schon busweise auf die Straße. Krawall und Remy… Remy Mart… Remmidemmi.

Wir reißen ordentlich Kilometer ab. Von Dear Reader im Gruenspan zu [ME] in der Prinzenbar. Die australischen Artrocker hatten uns auf der gestrigen Aftershow-Tanzfläche ihre Karte mit handschriftlicher Einladung in die Hand gedrückt – der Weg war nicht umsonst. Gute Band, das.

Und wieder zurück in die Große Freiheit, Nummer 36. Audiolith-Labelabend. Supershirt zerstören grundlos Kunstwerke, lassen die Beats bratzen und den Synthie stalinorgeln. Hier geht es auf zum Auftakt, es ist noch Platz. Der Mob wird zum Bär, süchtig nach Tob. Was kostet Freibier? 8000 Mark! (tl)

Nur weil es nervt, ist es noch keine Kunst

24. September 2011

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Mund zu, Ohren auf

24. September 2011

20110924-085531.jpgRatzinger – oder wem auch immer – sei Dank. Die Schlange vorm Keese ist zwar länglich, hat aber zum Glück nichts mit frühzeitiger Überfüllung zu tun. Yoav ist einfach der erste, der heute hier die Bühne erklimmt. Das Ball-Paradox-Café hatte einfach noch nicht auf.

Eine kleine Weile später ist der Laden tatsächlich gesteckt voll, ein Moderator quasselt Belanglosigkeiten vor sich hin. Jaja, wir wissen schon, dass Yoav geborener Israeli ist. Ist doch sch***egal, wo er herkommt, scheuch ihn auf die Bühne!

Einmannband 2.0. Samplen, abspielen, loopen. Was der Junge mit der Gitarre gerade spielt, was Aufnahme von vor zehn Sekunden ist, man weiß es schnell nicht mehr. Mit dem „Biest“, dem Sortiment von Gadgets, die er mit den nackten Füßen bedient, macht Yoav Dinge. Welche genau, das ist nicht so wichtig. Das Ergebnis zählt. Songwriting, Beats und Lagerfeuerstimmung fummelt er so gekonnt zusammen, dass Kinnladen immer wieder in die korrekte Position gerückt werden müssen. (josi)

Liebeslesen

24. September 2011

20110924-202107.jpg Die Hasenschaukel platzt am Sonnabend schon beim ersten Konzert aus den Nähten. Dabei ist es für das Alternative-Country-Duo This Frontier Needs Heroes aus Brooklyn noch viel zu früh. Brad Laurettis Stimme klingt schon arg übernächtigt, wie Neil Young nach – oder während – seinem ersten Vollsuff. Seine Schwester Jessica gibt dem Klang noch eine Portion melancholische Anlehnung. Zu früh!

Im Gruenspan absolviert Dear Reader aus Südafrika respektive Berlin den zweiten Reeper-Gig. Im Vergleich zum Auftritt vor zwei Jahren wirkt Sängerin Cherilyn weniger zerbrechlich und verlässt die Folk-Pop-Pfade in Richtung ambitionierter, mal filigraner und mal großformatiger Mini-Epen. Jap, der Umzug nach Berlin hat hörbare Spuren hinterlassen. Ein Hörkonzert, kein Festival-Hallogallo. Aber dafür sind ja auch andere zuständig. Audiolith, looking at you! (tl)

Fünfzehn Minuten Rum

24. September 2011

20110924-185431.jpg Mit der Zeit haben wir ein Näschen dafür entwickelt, wo es für lau Bier abzugreifen gibt. So gehen wir erneut zur Ray-Cokes-Revue ins Schmidt-Theater, weil Josi sich als Bühnen-Barmann bewerben will. Das funktioniert zwar nicht (ein Jesus ist immer schneller), aber es wird auch so eine Runde für das Publikum geworfen.

Die Gäste sind heute toll, sowohl musikalisch als auch im Gespräch mit Ray. Dikta aus Island, der in Israel geborene Fahrensmann Yoav (drei Pässe und ein Führerschein aus vier Kontinenten) und Francis International Airport aus Wien machen Spaß.

Wie immer am finalen Showtag schreiben zwei Songwriter einen Song mit Lyrics aus Publikumszurufen. Für die Aufführung wird noch ein Backgroundchor gesucht. Ray fragt Josi, aber der kneift… (tl)

Was heißt hier kneifen? Das war soziales Verantwortungsbewusstsein in höchster Vollendung! Niemand, der mich einmal hat singen hören, möchte diese Erfahrung wiederholen. Und außerdem hast Du Dich doch ganz gut gemacht auf der Bühne: „Oooo-lalaaaa…“
Das ist der Stoff, aus dem Platinplatten gepresst werden. (josi)

Swing time is good time, good time is better time

24. September 2011

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Kleinstadthelden, Großstadtschurken

24. September 2011

20110924-161400.jpg Und weiter geht es mit regionalen Spezialitäten-Showcases. Im Glanz & Gloria präsentieren die Städte Bremen und Groningen (Heimat des Eurosonic-Festivals) die Bands Kleinstadthelden und Eisenhower. Nordish by nature. In südlichere Gefilde geht es im On Air: „Meet the Austrians“. Österreich umgarnt.

Das Land, dass uns erst Freddy Quinn, dann Falco und später Christina Stürmer schickte, stellt sich beim Reeperbahn-Festival mit dem Grazer Indie-Songschreiber Effi nebst Band vor. Kein wirkliches Erweckungserlebnis, der Deckenventilator ist spannender. Ja Panik wäre jetzt nicht schlecht, aber die spielen erst in späteren Stunden im Gruenspan. Zu dumm. Obwohl: Mit der Zeit kommt Effi aus dem Quark in hübsche, sommerliche Disco- und Popgefilde. Nett. Also nettnett, nicht die kleine Schwester von scheiße. (tl)

Gegensätze

24. September 2011

20110924-023239.jpgEine androgyne, schmale Gestalt mit einer Nerdbrille steht beim Kanada-Showcase im Kukuun. Die Gitarre sieht aus, als ob sie zwei Nummern zu groß wäre.
Rae Spoon singt von Dunkelheit und Zerstörung, von Ungerechtigkeiten, während die Sonne durch das Fenster scheint. Seine Stimme weht hell und klar durch den Raum, kollidiert mit der verzerrten Gitarre. Anders, aber auf eine angenehme Weise. (josi)

Wer bin ich und wenn nein, warum?

24. September 2011

20110924-014723.jpgWarum ist? Soll sich Kollege Lange mit den tiefschürfenden philosophischen Fragen herumschlagen. Durch den grauen Schmodder, der mangels besserer Synonyme mal als mein Gehirn durchgehen soll, wandern viel konkretere Erwägungen.
Fällt es wohl auf, wenn ich alle weiteren Einträge vom Bett aus verfasse? Habe ich wirklich geglaubt, dass Whisky und Ingwerlimonade eine treffliche Kombination sind? War es tatsächlich schon hell, als ich ins Bett gestolpert bin? Wer spielt als nächstes? Was ist so toll an einem vekaufsoffenen Sonntag und wieso stelle ich mir diese Frage am Sonnabend?

„Ja“, „ja“, „ja“, „Rae Spoon“ und „Keine Ahnung“. Schön, dass wir das geklärt haben. Neben mir in der S-Bahn basteln sich Menschen Schinkenbrötchen, vor mir randaliert der erste Junggesellenabschied des Tages. Warum ist? Warum nicht? (josi)

Lass uns Müdigkeit vortäuschen

24. September 2011

20110924-044957.jpg Blitzschlag! Was lag zwischen Triggerfinger und hier? Wer weiß das schon. Es ist Aftershow-Party im Planet Pauli. Es ist 90er-Jahre-HipHop und Eurodance. Paare umschlingen sich mit Zungen, Singles sind auf der Suche nach Hingabe, für den nächsten Song, für den Rest der Nacht. Schlimm hier! Warum sind wir hier? Warum ist es fünf Uhr am Morgen? Warum ist?

Weg hier! Eine Hand wird ergriffen, ein leerer Becher muss dafür weichen. Die Nebelmaschine wirft sich ins Zeug, durch die Schwaden winkt Josi zum Abschied. Mach’s gut, der Morgen ist nah, der nächste Festival-Abend ist nicht fern genug. Warum ist? Rauschen im Ohr. (tl)

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