Hamburger Abendblatt

Das Filmfest Hamburg ist eröffnet

30. September 2011

20110930-134449.jpg Wieviele Drinks braucht man, um dieses Seelenblei von einem Film wegzuspülen, um diese lähmende Injektion aus blaustichigen Kinobild-Totalen über Menschen in einem unterdrückten Land zu überwinden und wieder unbeschwert norddeutsch fröhlich zu sein? Keine Ahnung. Die Filmfest-Party in der Alten Oberpostdirektion am Stephansplatz dauert an, man trinkt, man isst aus kleinen Bechern kleine Speisen, der Lärmpegel steigt. Aber die Bilder des Eröffnungsfilms „Auf Wiedersehen“ von Mohammad Rasoulof, dem iranischen Regisseur, der das Filmfest Hamburg mindestens so liebt wie es ihn, die stecken allen in den Knochen.

Rasoulofs Hauptdarstellerin Leyla Zere, die die drangsalierte Anwältin Noura spielt, ist auch da – und in echt sieht sie noch viel schöner aus als auf der Leinwand.

Wie wenig Geld diese neuntägige Kinoparty der Stadt hat, war bei der Eröffnung im Cinemaxx 1 zu sehen. Albert Wiederspiel, Festival-Leiter im neunten Jahr, begrüßte diesmal nicht nur die Gäste, er machte auch selbst den Moderator. Das kann er nicht so gut. Und die Band Taste, die drei krawallig-minimalistische Stücke spielen durfte, war leider auch nur knapp semi-genial.

Bürgermeister Olaf Scholz verlas eine feinsinnige Kinoliebhaber-Rede, die ein bisschen so klang, als hielte er sich nach Feierabend mit DVDs von Godard-Filmen schadlos am Tagesgeschäft der Politik. Kaum zu glauben, leider. Die Rede hat ihm wohl ein cineastischer Referent geschrieben. Trotzdem sehr sympathisch, wie dieser spröde, zutiefst unekstatisch wirkende Mann den Leuten im Saal am Ende ein „rauschendes Filmfest“ wünschte. (TRS)