Hamburger Abendblatt

Immer weiter, immer mehr

24. September 2011

20110924-101238.jpgRein und raus, hin und her. Das Elend des Festivals ist ja, dass man auch bei größtmöglicher Eile mehr verpasst als sieht.

Trotzdem kein Grund, stehen zu bleiben. Wir verlassen die vor Kiezreisegruppen berstende Amüsiermeile, um Susanne Sundfør in der St. Pauli Kirche zu besuchen. Auf dem Weg hören wir von hinten Gepöbel: „Scheiß St. Pauli! Wo ist denn hier alles? Ich bin aus Berlin, weissu?“

Das ist ja schön für den jungen Mann, dass er die Hauptstadt verlassen hat, um Hamburg mit seiner Gegenwart zu beehren. Etwas Häme können wir uns aber nicht verkneifen: Wenn es die Berliner geschafft hätten, aus der vor sich hin siechenden Popkomm… Aber lassen wir das. Die alte Fehde zwischen Hamburg und dieser anderen Stadt ist schließlich schon oft genug thematisiert worden.

In der Kirche angekommen, sind wir beeindruckt: Selten haben Spielort und Künstlerin besser zueinander gepasst als bei Susanne Sundfør. Die elegischen Klänge der Norwegerin scheinen nicht wirklich von dieser Welt zu sein, sind jen- und diesseitig gleichermaßen. Da wird sogar dem eingefleischten Atheisten ein wenig metaphysisch ums Herz. (josi)