Hamburger Abendblatt

Monatsarchiv für August 2011

Ist das Kunst oder kann das weg?

14. August 2011

20110814-153221.jpg Dockville steht nicht nur für 100 Bands und DJs, sondern auch für Kunst. Zahlreiche Installationen wurden wieder von internationalen Teams wie der O*GE Creativegroup aufgebaut, aber leider gehen viele dieser Kleinodien dieses Jahr im Wortsinn unter.

Mal liegen Objekte wie die „Suntrap“ abseits aufgeweichter Pfade in der Pampa, mal dienen sie als fester Standpunkt inmitten wogender Pampen. Wochenlange Arbeit bekommt nicht, was sie verdient.

Vor dem Pressebereich liegen Bierfässer vor einem Sofa. Ist das ein Objekt? Oder hat sich da nur ein Kollege einen lauen Lenz gemacht? Manweissesnich… (tl)

  • Dockville 2011
  • Kommentare deaktiviert für Ist das Kunst oder kann das weg?

20.000 Menschen unter dem Meer

14. August 2011

20110814-144307.jpg Dockville-Organisator Jean Rehders ist auch in verzwickten Situationen stets tiefenentspannt. Wie macht er das nur? Er ist jedenfalls wie immer aufgeschlossen, auch bei den blödesten Fragen der schreibenden Kollegen wie „Wir sind völlig untertrunken, habt ihr noch Bier?“

Die Statistik: 20.000 Besucher wurden gezählt, die Sanis und Secus melden keine dramatischen Vorkommnisse wie Moorleichen oder ähnliches. Nur die Zahl der Verstauchungen ist höher als sonst. Bei dem Untergrund heißt es: Mind your step.

Auf dem Gelände, bei den Konzerten von Station 17 und Spaceman Spiff, harren nur die Tapfersten. Was für eine Hingabe für Musik. Der Tross zieht weiterhin zur Buskehre, an den Tageskassen rollen Dornbüsche vorbei, Abbauteams fahren sich gegenseitig Beulen in die Transporter. Wir kommen uns vor wie auf verlorenem Posten. Bier, anyone? (tl)

  • Dockville 2011
  • Kommentare deaktiviert für 20.000 Menschen unter dem Meer

Und alle so: Yeaaah!

14. August 2011

20110814-142358.jpg Ein alter Freund ist zurück beim Dockville: der Regen. Viele Besucher haben aber schon genug vom Reigen um den Monte Schlacko und packen ihre Sachen für den Abmarsch. Trail Of Dead vom Dockville weg.

Der Shuttlebus zum Dockville hin ist sehr leer, aber wir werden uns noch einmal reinhängen und auch unseren kranken Print-Kollegen ersetzen. Gute Besserung, Christian!

Wir steigen aus dem Shuttle und stiefeln in die Suhle. Josi ist begeistert: „Und alle so: Yeaaah!“ (tl)

Schlösser, durchscheinend wie Kristall

13. August 2011

20110813-232407.jpg Und ebenso verwirrend wie der Blick durch ein Prisma. Kollege Lange reicht den rhetorischen Staffelstab weiter: Zu Crystal Castles hat er irgendwie keine Meinung. Na toll, bleibt’s an mir hängen. Jetzt müsste ich mir erstmal im Klaren darüber sein, ob ich denn eine Meinung zu Alice Glass und Ethan Kath habe.
Mal überlegen: Beats und alles andere, was so neben Glass‘ Gesang aus den Boxen tönt, sind ja wirklich nicht übel. Aber mit der Stimme der ehemaligen Punk-Frontfrau werde ich einfach nicht warm. Was ich im Rock und artverwandten Genres schätze, das Ungeschliffene, Dreckige, Rebellische; genau diese Elemente führen in Kombination mit den elektronisch-klaren Klängen dazu, dass die Stimme der Kanadierin quer in meinem Gehörgang liegt.
Mag ich die beiden also: Weiß ich nicht. Interessant sind sie allemal. Und das ist viel mehr, als man guten Gewissens von so manch anderem zu sagen vermag. (josi)

  • Dockville 2011
  • Kommentare deaktiviert für Schlösser, durchscheinend wie Kristall

Porsche, Genscher, Hallo HSV

13. August 2011

20110813-220434.jpg Die Goldenen Zitronen treten sehr selten auf Festivals auf – Sponsorentafeln, Halligalli, das ist alles nicht im Sinne von Schorsch Kamerun und seinen Brüdern im Freigeiste. Dementsprechend „anders“ ist auch der Auftritt der Zitroyens. „Wir haben St. Pauli groß gemacht, dann Blankenese und jetzt Wilhelmsburg.“ Das alles ist „voll kultig“, sprich Sarkasmus bestimmt die „Positionen“.

Viele Zuschauer waren zu Zeiten von „Porsche, Genscher, Hallo HSV“ (1987) noch nicht geboren, daher werden Anti-Haltungen selbst gegen Anti-Haltungen dem Zeitgeist angenähert. Aus verqueren Conga-Rhythmen und Elektro-Teppichklopfern dringt es hervor: „Eine aufgeladene Pre-Paid-Karte ist noch kein eingeladener Freundeskreis.“ Was für ein Facebook-Status. Zeitgenosse Andreas Dorau hat vorgelegt, die Zitronen legen nach. Gegen verkrustete Songstrukturen, Schönklang und blinkende Pop-Fassaden wird die Abrissbirne der Regentrifizierung geschleudert. Weg mit den Lügengebäuden… und her mit Crystal Castles! (tl)

  • Dockville 2011
  • Kommentare deaktiviert für Porsche, Genscher, Hallo HSV

Der Zirkus ist in der Stadt

13. August 2011

20110813-204029.jpgDer Maschinenraum ist ein Zirkuszelt, und das Zirkuszelt ist voll. Nichts geht mehr am Eingang, wo alles zu Bodi Bill drängt. „Dann gehen wir halt zu Casper und lassen uns noch ein wenig anschreien“, sagt ein resigniertes Pärchen. Dreht ab. Wir drehen mit. Denn wenn das Leben einem Zitronen schenkt – mach Limonade draus. Apropos Zitronen… (tl)

  • Dockville 2011
  • Kommentare deaktiviert für Der Zirkus ist in der Stadt

Tri-Tra-Trallala

13. August 2011

20110813-201511.jpg
Seit seinem zweiten Album „XOXO“ (2011) ist Casper der ganz heiße Scheiß. Sein Konzert am 14. Oktober in der Großen Freiheit ist längst ausverkauft, und auch beim Dockville liegt Alarm in der Luft, als Casper mit seiner Band loslegt.

Mit Caspers Stimme könnte man Straßen sperren, eine echte Nagelleiste. Alles muss raus, alles muss auf und davon. Der Flow eines Dendemann ist der neuen Hip-Hop-Generation (Hallo Marteria!) fremd, die Energieübertragung ins Publikum aber hat schon eine Hand am Notstrom-Schalter. „Party wie die Rockstars“ heißt einer seiner älteren Tracks, und dieser Devise ist Casper treu geblieben. „Ich bin unzerbrechlich.“ Joah, kann sein. Aber Batman bist du nicht. (tl)

Ja, außer uns gibt’s hier noch mehr komische Leute

13. August 2011

20110813-064526.jpg
Ohne Affen auf dem Kopf und Kurt auf der Brust ist kein Festival komplett.

20110813-064727.jpg
Na gut, ein gebrauchtes Gebüsch auf dem Kopf tut’s auch.

20110813-064849.jpg
Hmja, das können wir notfalls gelten lassen.

20110813-065204.jpg
20110813-064949.jpg
Meine Damen und Herren: Wir haben eine Gewinnerin! (josi)

  • Dockville 2011
  • Kommentare deaktiviert für Ja, außer uns gibt’s hier noch mehr komische Leute

Norwegen ist überaus lang und kein bisschen weilig

13. August 2011

20110813-231917.jpg Hurra, die bekloppten Norweger (ja, ich weiß, noch mehr Skandinavier) von Kakkmaddafakka sind wieder da!
Im vergangenen Jahr mussten sich die Jungs noch mit einem Opener-Slot auf dem Vorschot begnügen, 2011 dürfen sie am frühen Abend auf die Hauptbühne. Spaß macht das Septett wie eh und je, der krude Mix aus Rock, Disco, Funk und Gottweißwas geht unter Umgehung des Großhirns direkt in die im Matsch steckenden Füße. Zumal zwei der Herren in fast kniehohen Tennissocken vortanzen. Feinfein, so geht’s. (josi)

  • Dockville 2011
  • Kommentare deaktiviert für Norwegen ist überaus lang und kein bisschen weilig

Schwarze Füße, schwarze Hände

13. August 2011

So klingt also Blackmail mit neuem Sänger. Von 1994 an wurden die Koblenzer um Gitarrenmeister Kurt Ebelhäuser als formidable Rockband hoch geachtet, aber seit dem Album „Friend Or Foe“ (2003) wurde Blackmail außerhalb der Fangemeinde eher respektiert hingenommen als hingebungsvoll verehrt.

Nun versucht Sänger Mathias Reetz, seinen… ääh… schwierigen Vorgänger Aydo Abay (ging 2008) zu ersetzen. Schlecht macht er seine Sache nicht, auch wenn man sich an seine Westcoast-Punk-Stimme gewöhnen muss. Egal, die Sonne knallt, die Songs auch. „Komm schon, Dockville!“ Das tun wir, das siebenminütige Epos „It’s Always A Fuse To Live At Full Blast“ lässt nichts anderes zu an diesem „perfect day“. (tl)

  • Dockville 2011
  • Kommentare deaktiviert für Schwarze Füße, schwarze Hände

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »