Hamburger Abendblatt

Das hätte böse enden können

19. Juni 2011

Lockere 50 Meter von der Bühne entfernt werden die Leute im Sekundentakt aus der Masse gezogen. Der Wellenbrecher kurz vor dem Eingang zur Zeltbühne ist dicht umlagert. Drinnen stehen zweieinhalb Tausend Menschen, draußen verlangen noch mehr Leute nach Einlass, nach Teilnahme am kollektiven Exzess.
Warum Scorpio nach den Erfahrungen des vergangenen Jahres Frittenbude nicht auf eine der großen Bühnen gebucht hat, ist ein Rätsel. Eines, dass niemand wirklich auflösen kann. Wäre mehr Platz, gäbe es kein Problem. So aber drängeln Leute von hinten, während vorn keine Möglichkeit zum Ausweichen besteht.
Die Zeltplane an der Seite aufzurollen und dem Mischer die Erlaubnis zu geben, so laut zu drehen, wie er möchte, ist keine Lösung: Oder, wie einer der Ordner sagt, „grob fahrlässig von Scorpio“.
Die Ordner sind es auch, die – zum Großteil – versuchen, die Situation zu entkrampfen: Sie animieren die Menge zum Tanzen, signalisieren so, dass sie nicht der Feind sind, als der jeder mit einer „Security“-Weste gern wahrgenommen wird. Sie verteilen zusammen mit den Rettungskräften Wasser an die Leute.
Glücklicherweise geht der Auftritt der Audiolith-Vorzeigechaoten ohne allzu große Katastrophen über die Bühne. Kaputtgetanzte Menschen verteilen sich nach 90 Minuten wieder auf dem Gelände. Aber es war knapp. Zu knapp für meinen Geschmack. (josi)