Hamburger Abendblatt

Blutrache in Albanien

18. Februar 2011

Dass ein amerikanischer Regisseur eine Blutrache-Geschichte in Albanien verfilmt, mutet auf den ersten Blick etwas merkwürdig an. Doch die Erklärung, die Joshua Marston gestern gab, leuchtet ein. Nach seinem gefeierten Film „Maria voll der Gnade“ (2003) versuchte der aus Kalifornien stammende Regisseur einen Film mit einer Irak-Problematik zu drehen. Kosten: 20 Millionen. Doch die Finanzierung scheiterte, weil der Hedge-Fonds pleite ging. Die nächste Idee war, eine Geschichte über Kinder im New Yorker Stadtteil Brooklyn in den 70er Jahren zu machen: Kosten: 10 Millionen. Finanziers fanden sich nicht, weil das angeblich kein Thema für ein erwachsenes Publikum sei. Also machte Marston sich mit seinem Produzenten Paul Mazey nach Europa auf. „Dort lieben die Leute noch Filmemacher“, sagte er. Er fand in Albanien Geldgeber und eine starke Geschichte, weitere Unterstützung kam aus Dänemark und Italien. „The Forgiveness Of Blood“ wurde mit großem Beifall aufgenommen und zählt zu den Geheimfavoriten des diesjährigen Wettbewerbs. (Heinrich Oehmsen)