Hamburger Abendblatt

Der ultimative Film für Raucher

17. Februar 2011

Zumindest für Raucher ist Andreas Veiels Film „Wer, wenn nicht wir“ zweifellos das definitive Ding. Da wird soviel gequalmt, dass man als Zuschauer schon ganz beduselt ist! Tja, sagt man sich, so war das damals.
Abgesehen davon geht’s um Gudrun Ensslin und Bernward Vesper. Beziehungsweise um deren frühe Jahre. Nach dem Prinzip Wie-sie-wurden-was-sie waren. Muffiges Elternhaus und so weiter. Der Regisseur, der vorher nur Dokumentationen gemacht hat, sagt, sein Film wolle dem Zuschauer „Raum für den eigenen Film“ geben. So ziemlich am Ende hat der arme Vesper (August Diehl) ein paar Möbel aus seinem Fenster geworfen. Und offenbar auch ein paar Küchenutensilien. Kurz danach sieht man ihn nämlich nackt durch den Hinterhof rennen und dazu einen Schneebesen über dem Kopf schwenken. Also, bei aller Liebe – das wäre unsereinem von selbst nie und nimmer eingefallen!
Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass die Jury diesem Film irgendeinen Preis verleihen wird, weil RAF-Filme auf der Berlinale immer gut ankommen.
Großer Favorit für den Goldenen Bären bleibt unterdessen auch an Tag 8 der persische Film „Nader und Simin, eine Trennung“. (Barbara Möller)