Hamburger Abendblatt

Rote Karte für die Mullahs

16. Februar 2011

Es hatte schon etwas von einer tibetanischen Gebetsmühle. Nein, hat Wolfgang Murnberger gestern auf der Pressekonferenz immer wieder mal einfließen lassen, er sei kein deutscher, sondern ein österreichischer Regisseur! Dass es da einen Unterschied gibt, hat sich offenbar bis nach Kanada oder in die Weiten Osteuropas noch nicht ganz herumgesprochen. Egal, unterm Strich bleibt, dass Murnberger einen vorzüglichen Film über die Nazizeit gemacht hat. Er heißt „Mein bester Freund“ und erzählt die Geschichte von Victor (Moritz Bleibtreu) und Rudi (Georg Friedrich), die irgendwann einer Michelangelo-Zeichnung nachjagen. Erst geht es nur für Victor um Leben oder Tod, aber irgendwann hat er plötzlich die SS-Uniform an und Rudi den gestreiften Häftlingsanzug…

Da ist man mal sehr gespannt auf die Entscheidung der Jury. Die favorisierte – jedenfalls bis gestern – ist der persische Wettbewerbsfilm „Nader uns Simin, eine Trennung“. Das neue meisterhafte Mittelstands-Drama von Asghar Farhadi, der vor zwei Jahren mit „Alles über Elly“ einen Silbernen Löwen gewann. Die Kritiker sind auch ganz hin und weg, und politisch wäre der Goldene Bär für Farhadi eine Art Rote Karte für die Mullahs, die sich gerade an Farhadis Kollegen Jafar Panahi vergriffen haben. Also wünschenswert. Andererseits sorgt Murnberger jetzt für schöne Konkurrenz. (Barbara Möller)