Hamburger Abendblatt

Die Leiden der „Filmfredis“

14. Februar 2011

Wenn Filmkritiker etwas hassen wie die Pest, dann sind es die Sprüche der Redaktionskollegen, die garantiert immer in dem Satz gipfeln: „Na, das würde unsereiner ja auch gerne mal machen  – den ganzen Tag im Kino rumsitzen!“ Diese lieben Kollegen nehmen natürlich nicht zur Kenntnis, dass die „Filmfredis“ im Laufe des Festivals immer freudloser und hohläugiger zurückkehren, weil sie zu wenig schlafen und sich in den knappen Pausen zwischen Filmen zu viel Kaffee und Fast Food besorgen. Oder weil sie morgens um neun, also quasi auf nüchternen Magen, mit einer Materie konfrontiert werden, von der sie sich erst Stunden später wieder erholt haben. Heute war es Tschernobyl. Beziehungsweise Alexander Mindadzes Film „Unschuldiger Sonnabend“. Der gleich mal mit der Reaktorexplosion anfängt. „Die große Lüge“, wie die Leute in der Ukraine den Umgang der Sowjetfunktionäre mit dem Super-GAU heute noch nennen, führte damals dazu, dass die Menschen erst 36 Stunden nach der Katastrophe evakuiert wurden. (Barbara Möller)