Hamburger Abendblatt

Dekontamination mit Rotwein

14. Februar 2011

Im April jährt sich die Nuklear-Katastrophe von Tschernobyl zum 25. Mal. Der Regisseur Alexander Mindatze erzählt das Drama in der Ukraine in seinem Wettbewerbsfilm „An einem Samstag“ als private Geschichte. Der junge Funktionär Valerij erfährt von der Explosion in der Sektion 4 des Atomkraftwerks. Die Gefahr der Verstrahlung ist im bewusst und er versucht mit seiner Freundin Vera zu fliehen. Doch ein abgebrochener Schuhabsatz, ein fehlender Pass und ein verpasster Zug hindern das Paar am Entkommen. Stattdessen feiert sie auf einer Hochzeit und versuchen sich mit Rotwein zu dekontaminieren. „Das ist ein typisch russisches Verhalten“, erklärte  Mindatze dieses Verharren seiner Figuren in der Todeszone, „wir leben nah am Tod, neben der Gefahr.“  Mindatze selbst erfuhr von der Katastrophe, als er zu Dreharbeiten in Minsk weilte. „Wir haben uns auch mit Rotwein dekontaminiert. Das war ganz lustig.“ (Heinrich Oehmsen)