Hamburger Abendblatt

Neues aus Frankreich

10. Oktober 2010

Auf den letzten Metern des Filmfests wurden die Frankophilen unter den Besuchern noch einmal in der Reihe „Voilà“ bedient. Auch wenn sowohl Géraldine Bajards „La Lisière – Am Waldrand“ als auch Laure Charpentiers „Gigola“ vor allem durch filmische Schwächen bestechen. In „La Lisière“ erhält ein junger Arzt einen neuen Wirkungskreis in der französischen Diaspora. Doch hier wird der attraktive, allein stehende Mann bald zur Projektionsfläche einer eingeschworenen Jugendgang und zum Objekt der Begierde für die Töchter – und Mütter – des Dorfes. Klingt konstruiert und irreal. Ist es auch. Allerdings hat Regisseurin Géraldine Bajard ein Gespür dafür, dunkle Wälder das sich aufbäumende Unterbewusste und die Wucht der Gefühle von Liebe, Leben und Tod bei Jugendlichen in akkuraten Bildern einzufangen und mit wunderbarer Hippie-Musik zu verbinden.

Um Gefühlschaos geht es auch in „Gigola“ zu später Stunde im randvollen B-Movie. Laure Charpentier hat ihren eigenen Skandalroman aus den 70er-Jahren verfilmt, in dem eine Frau als Lustobjekt für Frauen ihren eigenen Weg geht. Lou Douillon ist der einzige Lichtblick dieses Films, der an einem völlig verhunzten Drehbuch krankt. Als weiblicher Dandy wirft sie Studium und katholische Erziehung über Bord und steht reichen Ladys erotisch zu Diensten. Doch auch Sportwagen, Pelzmäntel und Kluncker können ihre innere Leere nicht ausfüllen. Dafür muss dann ein italienischer Kneipier als Erzeuger herhalten. Es gibt viele unlogische Wendungen und teilweise entsetzlich bemühte Dialoge, aber das scheint alles sowieso nur Beiwerk zu sein, um die Softpornoszenen unter den Frauen zu unterfüttern. (Mitarbeit: asti)