Hamburger Abendblatt

Hochspannung beim „Tatort“

7. Oktober 2010

Zwölf Filme sind in diesem Jahr für den Preis der Hamburger Filmkritik sowie den Foreign Press Award nominiert. Wie üblich keine Massenware, sondern Art-House-Produktionen aus Kanada oder Malaysia, aus Polen oder der Ukraine. Auch dabei, der belgische Beitrag „Pulsar“ von Alex Stockmann. Ein Film der zwischen Liebesdrama und Psychothriller oszilliert, der komische Momente hat, aber auch verunsichert und bisweilen ein Gefühl von Beklemmung hevorruft. Im Mittelpunkt: der Medikamentenkurier Samuel, dessen Freundin für ein paar Praktikumswochen nach New York geht. Per Videochat bleiben die beiden in Kontakt, doch eines Tages scheint sich jemand in Samuels Netzwerk gehackt zu haben. Dass der Rechner sich nicht mehr herunterfahren lässt, ist da noch das Geringste der Probleme… Ein sehenswerter Film, der noch keinen deutschen Verleih gefunden hat.

Großer Auflauf dann wenig später bei der Premiere des Hamburg-„Tatorts“ „Leben gegen leben“ mit Mehmet Kurtulus. Undercover-Ermittler Cenk Batu wird in einer Organhändler-Bande eingeschleust, die Jugendliche, vor allem aus Osteuropa, gefangen hält und bei Bedarf für eine Organspende töten lässt. Ein Geschäft, bei dem es um Millionen geht und Menschenleben keine Rolle spielen. Starke Bilder, ein großartig düsterer Soundtrack (Joy Division, Anne Clark) und Hochspannung: Dieser von Nils Willbrandt „Tatort“ ist fürs Fernsehen fast zu schade.  Auch, weil das Ermittlergespann (Kurtulus und Peter Jordan) ebenso überzeugt wie Michelle Barthel als nächstes potenzielles Opfer der Organhändler und die Nebenrollen mit Bibiana Beglau, Arnd Klawitter oder Stephan Bissmeier ebenfalls exzellent besetzt sind.