Hamburger Abendblatt

Ein Plädoyer für die Freiheit

7. Oktober 2010

Standing ovations für einen politischen Dokumentarfilm – wann hat es das beim Filmfest Hamburg schon gegeben? Als ein echtes Highlight entpuppte sich die Premiere von „The Green Wave“ am Mittwoch im Cinemaxx. Der große Saal war gut gefüllt, im Publikum viele Exil-Iraner aus der großen Hamburger Community. Zunächst gab es ein unerwartetes cineastisches Amuse gueule, den letzten Kurzfilm, den der renommierte  iranische Regisseur Jafar Panahi vor seiner Verhaftung drehen konnte. In „Accordion“ stiehlt ein Mann zwei Kindern ihr Musikinstrument, mit dem sie auf der Straße Geld verdienen. Sie finden ihn, er hält das Akkordeon, kann aber überhaupt nicht spielen. „Er ist noch ärmer als wir“, erkennt das kleine Mädchen. Der Junge gibt nach, legt den Stein beiseite, mit dem er sich schon bewaffnet hatte, und sie machen als unbeholfenes Trio weiter. Der achtminütige anrührende Film bekam freundlichen Applaus.

Sehr viel heftiger ging es in „The Green Wave“ zu. Der Film zeichnet die Ereignisse nach, die in nach den Präsidentschaftswahlen in Teheran vor zwei Jahren zunächst zu friedlichen Protesten und dann zu ihrer blutigen Niederschlagung mit vielen Toten und Verletzten führten. In nur zehn Monaten hat Regisseur Ali Samadi Ahadi seine ungewöhnliche Dokumentation auf die Beine gestellt. Sie ist eine Collage aus Interview-, Animationsszenen und verwackelten Handy-Filmaufnahmen, über die er Off-Kommentare gelegt hat, deren Wortlaut aus Original-Blogs oder Twitter-Meldungen stammen. Es waren aufwühlende, manchmal schwer zu ertragende und nachdenklich machende Szenen dabei. Dabei wirken die animierten Sequenzen kaum weniger authentisch als die Dokumente von Brutalität und Willkür der Bassidsch-Milizen, die die Iraner nur unter großer Gefahr außer Landes schmuggeln konnten. Das Ergebnis ist eine emotional wuchtige und auch künstlerisch überzeugende Anklage gegen das iranische Unrechtsregime und ein Plädoyer für Freiheit, Demokratie und die Menschenrechte. Ali Samadi Ahadi, der im Alter von zwölf Jahren aus dem Iran nach Deutschland kam, hat hier bisher die Filme „Lost Children“ und „Salami Aleikum“ gedreht. Der Regisseur war von der Resonanz im Publikum so überwältigt, dass ihm vor der Leinwand zunächst die Stimme versagte. Dann stellte er sein Team vor und machte der Hansestadt ein nostalgisches Kompliment. „Hamburg riecht immer ein bisschen wie Teheran, weil so viele Iraner hier leben.“ Im Januar kommt „The Green Wave“ ins Kino. (Mitarbeit: vob)

Eine Reaktion zu “Ein Plädoyer für die Freiheit”

  1. majidam 8. Oktober 2010 um 13:59 Uhr

    Danke an alle, die dieses Film ermöglicht haben. Zuerst ignorieren sie euch, dann wird ihr belächelt, anschließend wird ihr bekämpft. Am Ende wird ihr aber siegen…
    Mahatma Gandhi