Hamburger Abendblatt

God gave Blasmusik to you…

26. September 2010

Nach einem kurzen Abstecher in die Bunkerclubs, wo weder Superpunk noch Nils Koppruch es vermochten, mich länger zu fesseln, wage ich das Abenteuer: Mit der U-Bahn geht es zum oberen Ende der Reeperbahn, mein eigentliches Ziel aber sind die Große Freiheit und LaBrassBanda.

Der sonnabendnächtliche Spaziergang bietet die üblichen Hürden. Erlebnisorientierte Juvenile und getränkeorientierte Vereinsfeiern, wüst kostümierte Junggesellenabschiede (die mentale Strichliste vermerkt insgesamt elf) und teils ebenso abstrusen Modevorstellungen folgende Partyjünger. Vor dem Moondoo hilft nur noch der beherzte Wechsel der Straßenseite. Denn die durch Afrika Bambaataa, Islaam oder sonstwen angelockte und ob des Regens und der Angst, die Party zu verpassen langsam die Contenance verlierende Menge vor dem Laden ist einfach undurchdringlich.

Dass die Große Freiheit ebenso verstopft ist, versteht sich natürlich von selbst. Warum bin ich nicht hinten herum gegangen, ich Idiot?! Die Neongitarre kommt so langsam näher, dass ich zwischenzeitlich die Befürchtung hege, erst morgen früh anzukommen.

Dann aber habe ich es geschafft, stehe drinnen und stelle fest: Ich verstehe zwar kaum ein Wort von dem, was die barfüßigen Herren in kurzen Krachledernen da auf der Bühne von sich geben – spätestens gesungen könnte es sich bei dem merkwürdigen Idiom auch um Finnisch handeln – aber die Musik, die verstehe ich. Oder, besser gesagt: Meine Füße verstehen sie. Stillstehen ist nicht möglich, dass bajuwarische Blechbläser so viel akustischen Sexappeal ausstrahlen können, glaubt man vermutlich erst, wenn man die „Buam“ mal live erlebt hat. Crowdsurfing zu Blasmusik kennt man sonst allenfalls von den Wacken Firefighters.
(Alexander Josefowicz)