Hamburger Abendblatt

Die andere Seite des Tresens

12. September 2010

Wenn Jon Flemming Olsen die Geschichte von Hannes, dem stillen Gast in „Ludes Imbiss“ fünfhundert Meter vor der dänischen Grenze vorliest, wird es still im Imperial Theater. Denn der „Fritten-Humboldt“ ist zwar über weite Strecken komisch, aber kein reiner Klamauk, er porträtiert – um eine Formulierung bei Dittsche zu entleihen – das wirklich wahre Leben. Und so gesellen sich zu haarsträubend komischen Geschichten von übereifrigen saarländischen Imbissbetreibern und durch den Autoren verwechselten Wochentagen ein ehemaliger KZ-Häftling, der auf der Mundharonika „Lili Marleen“ intoniert, streitende Ehepaare und der Ekel vor fremden Essensresten.

Olsen schafft nicht nur den Spagat zwischen Menschelndem, Rührendem und Lustigem, er trägt seine Beobachtungen auch noch sehr unterhaltsam vor. Die Auswertung von fast 150 Stunden Originaltönen aus 16 Bundesländern hat sich gelohnt: Zumindest für das norddeutsche Ohr klingt Olsens Version des Saar-Platts sehr überzeugend. Wie viel Däne in ihm steckt, weiß man zwar immer noch nicht, aber immerhin hat man einem längeren Exkurs zur Familiengeschichte von Olsens Mutter lauschen dürfen. Denn Jon bringt sonst wieder alles durcheinander und verwechselt Nord- und Ostfriesland. (Alexander Josefowicz)