Hamburger Abendblatt

„Boot ist nicht zu halten“

16. August 2010

Blitz, Donner, Gepöbel. Alles rennet, rettet, flüchtet zu den drei popeligen Shuttle-Bussen, die dreiundöchzigtausend vor dem Regen fliehende Dockville-Besucher nach Wilhelmsburg zur S-Bahn kutschieren sollen. Alles zieht Leine: Polizei, Sanis, Caterer, LKWs aus dem Industriegebiet, VIP-Camp-Durchfahrtsschein-Horter und weitere Fahrzeuge treffen sich auf der Zubringer-Kreuzung. 35 Eltern-Vans drücken den Knopf der Warnblink-Anlage, um die Kleinen abzuholen. Drumherum flutet die Meute mit leichtem bis schwerem Gepäck. Alles muss raus!

Nur die Taxen haben sich davon gemacht. Niemand will sich die Ledersitze mit Festival-Nässe ruinieren. Also Shuttlebus. Leute, wie die Zeit vergeht! Notizen, Geldscheine, Kippen, Schuhe, Unterbüx, nagelneue Lederjacke, die „Beatles Stereobox Remastered“ (was man nicht alles mitschleppt), Hose und Jacke weichen auf. Nach einer Stunde Warterei im Dauerplatzregen, 12 Vordränglern und drei ins Auge gerammten Knirps-Schirmstreben steht mein Pöbl-O-Meter auf DefCon 1.

Das Handy klingelt: „Ahoihoi! Hier ist Biggy. Du, regnet das doll bei Jan Delay? Dann sollten wir das dem Spätdienst mitteilen.“

REGNET DAS DOLL? WIR SAUFEN AB! ENDE GELÄNDE!

(Tino Lange)