Hamburger Abendblatt

Der therapeutische Jungbrunnen

15. August 2010

Ach, was waren das für Zeiten! Damals, als man noch jung und unbedarft war, das Leben unendlich schien, die Möglichkeiten ebenso. Man wusste alles, konnte alles und war in der Lage, drei Nächte am Stück durchzufeiern, ohne sich danach für weitere zwei Tage krankschreiben lassen zu müssen.

Man verzeihe mir den kurzen Anfall von Nostalgie, aber der Auftritt von Therapy? hat mich weit, weit in die Vergangenheit versetzt. „Screamager“, „Isolation“ und all die ganzen anderen Erinnerungen an eine – zumindest rückblickend – goldene Jugend. Fast wäre ich verführt gewesen, mich mit in die erste Reihe zu stellen und ein wenig auf und ab zu hüpfen. Aber das hätte vermutlich zu blauen Flecken, Bänderdehnungen und entsetzlich schnellem Aus-der-Puste-Kommen geführt und so die Illusion ewiger Jugend und Glückseligkeit empfindlich gestört. Plötzlich verstehe ich, warum Opa immer Geschichten von „früher“ erzählt. *seufz* (Alexander Josefowicz)