Hamburger Abendblatt

Bitte nicht aufhören!

8. August 2010

Drei Stunden Schlaf, das muss reichen, wenn der Abfahrtstau vermieden werden soll.  Ja, die Augen sind klein. Und ja, es wäre jetzt mal Zeit für eine richtige Dusche und für ein Handtuch ohne Grasflecken, aber die letzte Nacht war jede noch so große Mühsal wert.

2 Uhr morgens im Headbangers Ballroom und die Gruppe des Jahres, ach was, der letzte Jahrzehnte tritt auf: The Devil’s Blood. Auf der Bühne brennen geschätzte 50 Kerzen, am linken Rand stehen drei Backgroundsängerinnen in so was wie Mönchskutten und dann die  Band selbst: Drei Gitarristen, ein Bassist, ein Schlagzeuger, eine Sängerin, allesamt mit Blut übergossen, tief in sich gekehrt. Nach einem Beschwörungsritual in die vier Himmelrichtungen setzt die Musik ein: eine  völlig einzigartige Mischung aus 70er-Jahre-Psychedelia und Hard Rock. Mit Melodien zum Niederknien und Jahrhundert-Riffs. Wann wurde zuletzt ein so gewaltiger Song wie „Christ Or Cocaine“ geschrieben, wann ein so epischer Mahlstrom wie „The Yonder Beckons“? Eben. Statt der angekündigten 45  spielt The Devil’s Blood 60 Minuten, aber ginge es hier gerecht zu,  müsste das Konzert noch stundenlang weitergehen. Definitiv der Wacken-Höhepunkt 2010. Und das, obwohl zuvor noch Immortal, Soulfy und viele andere Hochkaräter gespielt hatten. Wer’s nicht glaubt: einfach mal die MySpace-seite der Niederländer checken (www.myspace.com/thedevilsblood). Von so einem Auftritt lässt sich lange zehren – notfalls bis zum nächsten Wacken Open Air. In diesem Sinne: Pommesgabel alle miteinander!