Hamburger Abendblatt

Geschmolzene Gummibärchen

7. August 2010

Der letzte Abend, und die Vorräte gehen zur Neige. Nicht nur die flüssigen. Als Abendessen wäre möglich gewesen: ein pappiges Brötchen vom Frühstück mit Käse, der in der Plastikfolie schwitzt. Und als Nachtisch: geschmolzene Gummibärchen aus dem auf ca. 60 Grad erhitzten Innenraum unseres Autos. Dann doch lieber aufs Festivalgelände und einen Knobibrotfladen mit Oliven, Peperoni, Schmand, Paprikasauce, Röstzwiebeln und Tomatenstückchen selbst belegen. Alles nach dem All-you-can-tragen-Prinzip und mit 4 Euro nicht zu teuer.

Wichtiger als die Nahrungsaufnahme ist aber letztlich doch die Musik, und da war in den letzten Stunden wieder einiges geboten. Zum Beispiel Vergangenheitsbewältigung der attraktivsten Art mit dem Auftritt von W.A.S.P.. Zwar verzichtet die legendäre US-Band von Sänger Blackie Lawless (aufgedunsen wie Elvis in späten Tagen…) auf ihre Hammernummer „Animal (Fuck Like A Beast)“ punktet aber mit „I Wanna Be Somebody“.

Danach die falsche Entscheidung. Statt sich das dumpfe Gegrunze von Cannibal Corpse anzutun, das ca. 4 Minuten lustig ist und dann nur noch langweilt, wäre es viel besser gewesen, sich für Debauchery im Headbanger’s Ballroom zu entscheiden. Für mehr als einen Song reicht es leider nicht, aber der groovt dermaßen, dass sofort per Internet der Tourkalender der Stuttgarter Death Metaller gecheckt wird. Derzeit ist leider kein Hamburg-Konzert angekündigt. Mist! Den Schlussjubel wird vor allem Sänger und Bassist Thomas Gurrath genossen haben. Der Mann war nämlich Lehrer, wurde aber von der Schulbehörde aufgefordert, sich zu entscheiden: entweder Death Metal mit den entsprechend blutrünstigen Texten und Promofotos oder Schuldienst. Gurrath entschied sich für die Musik. Und wir uns dafür, ein Stündchen auszuruhen, bevor es unter anderem mit Immortal und The Devil’s Blood in die Schlussrunde geht.