Hamburger Abendblatt

Auf die Größe kommt es an

7. August 2010

Den Massen hinterherlaufen und sich vor die True oder Black Metal Stage stellen, kann jeder. Hier spielen ja schließlich auch die Wacken-Headliner. Die beste Stimmung und die intensivsten Konzerte sind aber häufig anderswo zu erleben: im Headbangers Ballroom. Klar, hier ist es warm, in diesen Tagen sogar sehr warm, aber dafür gibt’s jede Menge Bands zu hören, die keine Zehntausende ziehen und trotzdem unbedingt sehenswert sind. Zum Beispiel The New Black, eine Würzburger Heavy-Metal-Band, die demnächst ihr zweites Album veröffentlicht und ihren Sound selbst folgendermaßen beschreibt: „Stell dir vor, Black Label Society laden den Kerl von Nickelback ein, um ein paar Thin-Lizzy-Coverversionen zu zocken. Dabei tragen alle ihre Pantera-Shirts.“ Das ist natürlich heftigstes Namedropping, aber die Band hat tatsächlich was drauf, rockt mächtig und ist von den euphorischen Reaktionen des Publikums ehrlich überrascht.

Ordentlich eng und noch ein bisschen wärmer ist’s eine gute Stunde später bei Crucified Barbara. Die schwedische All-Girl-Group, die nur einen Meter entfernt von mir im Pressezelt steht, während ich diese Zeilen hier schreibe, hat nur eine halbe Stunde Spielzeit eingeräumt bekommen, nutzt die 30 Minuten aber für ein paar flotte Rock ’n’ Roll-Nummern, von denen besonders das fetzige „Sex Action“ hängen bleibt. Dass nur die Hälfte der Besucher hier wäre, handelte es sich nicht um hübsche junge Frauen, sondern um alte Männer, mag sein, steht aber auf einem anderen Blatt.