Hamburger Abendblatt

Bye bye, Bayreuth!

1. August 2010

Bye bye, Bayreuth!
Das war’s also wieder. Eine Woche Oper unter härtesten (Sitz-)Bedingungen. Einstündige Pausen für Smalltalk ohne Ende. Riesenschlagen vor der Festspiel-Bratwurst. Opern-Begeisterung rund um die Uhr. Ordens- und anderswie geschwellte Brüste. Das ständige Geraune. „Also, seine Regie und wieder der den Parsfal…“ schon morgens beim Frühstück. Oder „Wenn man die Karten auch bei TAff kriegt, dann kann man auch wechseln“, oder „Er hat sie ausdrücklich als seine Lebensgefährtin vorgestellt – ist das nicht…“ oder im Café dann „Möchtest du Ratten als Ritter haben? ICH NICHT!“ Oder: Hast du den Kollo gesehen? Doch, der war drin. Wenn ich’s dir doch sage.“
Die Baustellen-Bratwurst in der Maximilianstraße, wo seit Jahren gebaut wird, als werde spätestens 2013 hier eine Haltestelle der U-Bahn nach München eröffnet. Beim Bier abends dann die Musiker mit schrecklichen Einzelheiten aus dem Graben oder einhiemischen Orchestern, und zwischendrin die Redaktion am Handy, oder die Pressestelle der Festspiele, oder ein Kollege, den man abends noch rasch auf ein kühles Zwickl im Biergarten treffen muss.
Zwischendrin eine Viertelstunde im Wagner-Garten mit Blick auf Wahnfried und Mini-Fontäne.   Wagnertouristen alle Sorten: Ergriffen, die Partituren im Kopf und die Karten in der Brieftasche. Tagesausflügler in Adidas mit To-go-Kaffee, die einen flüchtigen Blick auf die unbenamste Grabplatte des Meisers werfen, mit den Schultern zucken und weitertraben. Und Jogger. Ja, selbst hier… Wie soll man denn da in Ruhe Wagner lesen?
Aus, vorbei. Im Festspielhaus diesmal fast alles gesehen. Stunden abgesessen. Kurz vor Anfang die Kugellampen im Zuschauerraum gezählt. Meistens komm ich auf 126 – und Sie? Berührt von dem, was auf der Bühne war, mal angenehm, manchmal weniger. Es gab Momente, in den man niederkien mochte, und andere, die man mit großen Fragezeichen nach Hause trugt, wo sie dann beim Einschlafen störten. Dagegen hilft Zwickl.
Jetzt aber nicht mehr. Um 16.12 Uhr rollt der Bummelzug von Bayreuth Richtung Nürnberg los. Und spätestens dort wird man vom ICE nach Hamburg wieder auf Touren gebracht. Ein Hauch Wagner reist natürlich mit: „Lohengrin“, als MP3. Aber irgendwie ist das nicht richtig, im Polstersitz, mit Knopf im Ohr, ganz ohne Krawatte, die Beine ausgestreckt und einen heißen Kaffee in Griffweite.
Tschüs, Bayreuth. Klar komm ich wieder. 25.Juli, same procedure. Hojotoho, und bis dann..
Foto: Fink

Foto: Fink

Das war’s also wieder. Eine Woche Oper unter härtesten (Sitz-)Bedingungen. Einstündige Pausen für Smalltalk ohne Ende. Riesenschlangen vor der Festspiel-Bratwurst. Opern-Begeisterung rund um die Uhr. Ordens- und anderswie geschwellte Brüste. Das ständige Geraune. „Also, seine Regie und wie der der den Parsifal…“ schon morgens beim Frühstück. Oder „Wenn man die Karten auch bei TAff kriegt, dann kann man auch wechseln“, oder „Er hat sie ausdrücklich als seine Lebensgefährtin vorgestellt – ist das nicht…“ oder im Café dann „Möchtest du Ratten als Ritter haben? ICH NICHT!“ Oder: Hast du den Kollo gesehen? Doch, der war drin. Wenn ich’s dir doch sage.“

Die Baustellen-Bratwurst in der Maximilianstraße, wo seit Jahren gebaut wird, als werde spätestens 2013 hier eine Haltestelle der U-Bahn nach München eröffnet. Beim Bier abends dann die Musiker mit schrecklichen Einzelheiten aus dem Graben oder einheimischen Orchestern, und zwischendrin die Redaktion am Handy, oder die Pressestelle der Festspiele, oder ein Kollege, den man abends noch rasch auf ein kühles Zwickl im Biergarten treffen muss.

Wahnfried und Minifontäne - Foto: Fink

Wahnfried und Mini-Fontäne - Foto: Fink

Zwischendrin eine Viertelstunde im Wagner-Garten mit Blick auf Wahnfried und Mini-Fontäne.   Wagnertouristen alle Sorten: Ergriffen, die Partituren im Kopf und die Karten in der Brieftasche. Tagesausflügler in Adidas mit To-go-Kaffee, die einen flüchtigen Blick auf die unbenamste Grabplatte des Meisters werfen, mit den Schultern zucken und weitertraben. Und Jogger. Ja, selbst hier… Wie soll man denn da in Ruhe Wagner lesen?

Aus, vorbei. Im Festspielhaus Stunden abgesessen. Kurz vor Anfang die Kugellampen im Zuschauerraum gezählt. Meistens komm ich auf 126. Berührt von dem, was auf der Bühne war, mal angenehm, manchmal weniger. Es gab Momente, in den man niederkien mochte, und andere, die man mit großen Fragezeichen nach Hause trug, wo sie dann beim Einschlafen störten. Dagegen hilft Zwickl.

Jetzt aber nicht mehr. Um 16.12 Uhr rollt der Bummelzug von Bayreuth Richtung Nürnberg los. Und spätestens dort wird man vom ICE nach Hamburg wieder auf Touren gebracht. Ein Hauch Wagner reist natürlich mit: „Lohengrin“, als MP3. Aber irgendwie ist das nicht richtig, im Polstersitz, mit Knopf im Ohr, ganz ohne Krawatte, die Beine ausgestreckt und einen heißen Kaffee in Griffweite.

Tschüs, Bayreuth. Klar komm ich wieder. 25. Juli 2011, same procedure. Hojotoho, und bis dann..