Hamburger Abendblatt

Zehn Tipps für selbstbewusste Festspiel-Störer

27. Juli 2010

Wenn im Zuschauerraum das Licht verglimmt, könnte man Walküre, Lohengrin, Siegfried & Co. einfach bis zum Ende ruhig anhören. Muss man aber nicht, wie die ideenreichen Störversuche aus dem Publikum zeigen?

1. Mit steigender Intensität von außen an die Saaltür klopfen, wenn Sie nicht hineingelassen werden, nur weil das Stück schon angefangen hat.

2. Handy vier- bis fünfmal klingeln lassen – am besten den gut hörbaren „Old phone“-Alarm oder einen angesagten Metal-Titel gleich am Anfang von „Lohengrin“, wenn das Orchester noch so schön leise spielt. Achtung: Nicht zu früh wegdrücken!

3. Brillen-Etui, Opernglas, Handy fallen lassen. Programmheft geht auch – wenn Sie das dicke gekauft haben, gibt das auf dem Holzboden schon mal einen ordentlichen Rumms.

4. Wenn Sie kein Programmheft haben: Beim Kramen in der Handtasche Geldstücke rauskullern lassen. Nicht zu wenige, die Nachbarn zählen schließlich mit.

5. Der eigenen Begleitung Bühnenbilder und Handlung erklären – hier ist Power-Flüstern angesagt, sonst haben die Umsitzenden nichts was davon.

6. Hustenanfälle erst mal ordentlich ausleben. Unterdrücken nur, wenn man dadurch glaubhaft Erstickungsgefahr vortäuschen kann und der nächstsitzende Arzt unruhig wird.

7. Nehmen Sie keine Hustenbonbons mit, bei denen nicht wenigstens die Tüte kräftig knistert. Suchen Sie in Ruhe und ohne Stress das Bonbon aus, das der Stärke Ihres Hustenanfalls angemessen ist.

8. Klopfen Sie den Takt mit dem Fuß mit. Aber: Was präzise im Takt liegt, ist nur halb so aufregend wie knapp daneben.

9. Außerordentlich wirksam ist die scheinbar harmlose Frage: „Hast du eigentlich den Tisch reserviert für danach?“ Fragen Sie immer sofort, wenn’s Ihnen einfällt – sonst haben Sie die Frage bei den komplizierten Handlungen bis zur Pause schon wieder vergessen. Außerdem können die Sitznachbarn gleich mit überprüfen, ob sie vorgesorgt haben.

10. Warten Sie mit lautstarken Meinungsäußerungen nie bis zum Ende des Stücks. Wenn alle gleichzeitig „Buh“ rufen, läuft Ihr profiliertes „Pfui“ leicht Gefahr, einfach unterzugehen. Rufen Sie sofort dazwischen, wenn Sie etwas richtig stört – das geht schließlich alle an, und jeder kann es dem Vergehen auf der Bühne gleich richtig zuordnen.

Was sagen Sie da? Sie haben gar keine Karte für Bayreuth? Ist doch halb so schlimm: Was in Bayreuth funktioniert, ist allemal gut genug fürs heimische Theater.