Hamburger Abendblatt

Die weiße Festspielfahne weht

25. Juli 2010

Über Festspielhaus auf dem Grünen Hügel weht die weiße Fahne mit dem verschlungenen W – der erste Festspieltag ist gekommen, die Anfahrt vor dem Königsbau abgesperrt, damit Angela Merkel & Co. stressfrei durch das Volk geleitet werden können. Schon um 11 Uhr drängeln sich die Fotografen in der Sonne, die ersten Zuschauer haben ihre Spitzenplätze direkt am Absperrgitter fest im Blick. Derweil erzählen Eva und Katharina Wagner drinnen, wie wunderbar die Zusammenarbeit mit Hans Neuenfels, dem „Lohengrin“-Regisseur, war.

Die Richard-Wagner-Büste des Bildhauers Arno Breker

Die Richard-Wagner-Büste des Bildhauers Arno Breker

Der bedankt sich ordentlich, lobt die Arbeit auf dem Hügel, lässt ein, zwei Sottisen über das provinzielle Bayreuth los und dass sich ausgerechnet hier eine der tiefsten Auseinandersetzungen mit dem entwickelt habe, was deutsch sei. Katharina Wagner, der bohrenden Fragerei schon im Vorfeld offenbar müde, überrascht noch mit den Namen zweier Personen, die das Projekt „Aufarbeitung der Bayreuther NS-Vergangenheit“ leiten sollen: Peter Siebenmorgen und der Stuttgarter Neuhistoriker Wolfram Pyta.

Um 12.30 Uhr hebt sich der Vorhang auf Probebühne 4 zur ersten von zwei Premieren an diesem Sonntag: Der „Tannhäuser“ für Kinder. Und bis 16.00 Uhr müssen 2000 Premierengäste ihren Platz im großen Haus gefunden haben. Dann zeigen Neuenfels (Regie), Reinhard von der Thannen (Bühnenbild und Kostüme) sowie Andris Nelsons (Dirigent), wie „Lohengrin“ im Erlösungslabor seinen Gralsauftrag abarbeitet. Annette Dasch, die kürzlich von einem herunterfallenden „Parsifal“-Requisit ausgeknockt worden war, ist wieder bei Kräften – das Premierenfieber steigt, es kann losgehen.