Hamburger Abendblatt

Wie komme ich da rein?

23. Juli 2010

Foto: AP

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Kurz vor Eröffnung der Festspiele mit „Lohengrin“ laufen die wildesten Gerüchte durch die Festspielgemeinde. Im Chor beschwert man sich über die Kostüme, lebende Ratten sollen auf die Bühne gebracht werden, das böse Wort „Skandal“ zischelt lüstern durch die Gänge. Hans Neuenfels sieht es gelassen und mit einem Augenzwinkern. Er will den „Lohengrin“ als eine Art Laborversuch auf die Bühne stellen: Ist es überhaupt denkbar, dass Elsa dessen „Nie sollst du mich befragen“ standhält?

Am Sonntag ab 16 Uhr wird das Premierenpublikum auf dem Grünen Hügel langsam schlauer werden. Angesagt sind festspielkompatible 22 Grad, so dass das Festspielhaus – gern gescholten als „teuerste Sauna der Welt“ – kaum wegen der Temperatur überkocht. Aber wie kommt man da überhaupt rein?

Es gibt in diesem Jahr 54.000 Festspielkarten, für die 408.000 Kartenwünsche eingegangen waren. Acht bis neun Jahre warten heißt das, bis man auf der Liste so weit vorgerückt ist, dass man eine reelle Chance hat. Wer zahlendes Mitglied im Förderkreis der „Freunde von Bayreuth“ ist, kann etwas schneller dabei sein: Nur drei bis vier Jahre dauert es dann, bis man zwei der begehrten Tickets in der Hand hat. Etwas teurer sind die Karten geworden in diesem Jahr, sie kosteten zwischen 15 und 280 Euro.

Optimisten stellen sich schon ab 12 Uhr vor der Kasse und dem Künstlereingang auf – in Abendkleid oder Anzug und mit einem Schild „Suche Karte“. Weil es immer jemanden gibt, der doch plötzlich Angst hat vor Lohengrin, den Nibelungen oder Parsifal, schaut das Glück öfter vorbei, als man denkt… Der Preis: Verhandlungssache.

Die Brecheisen-Methode: Wer sich ganz sicher ist, dass er Geschäftspartner oder Schwiegereltern mit Kultur beeindrucken muss und zehn Jahre zuvor einfach nicht dran gedacht hat, Karten zu bestellen, der gibt bei Google „Festspiele Bayreuth Karten Euro“ ein und findet nach einigem Suchen in den Tiefen des Internets Spezial-Agenturen, die wenige, aber aktuelle Karten zu hoffnungslos überteuerten Preisen anbieten. Schnäppchen liegen da bei etwa 500 Euro, ein ganzer Ring ist manchmal für 4500 Euro zu haben – oder auch schon nicht mehr. Die Festspiele sehen diesen zweiten Markt gar nicht gern.

Deutlich bequemer und preiswerter ist da das Radio: NDR Kultur überträgt die Premiere am Sonntag live ab 15.55 Uhr – und das mit einer Sitzqualität, die Sie in Bayreuth nie bekommen, wenn Sie nicht gerade Kanzlerin sind.